Pompeji

In Pompeji kann der ausgegrabene Teil von über 44 Hektar lediglich durch einen langen Spaziergang besichtigt werden, lohnend ist es allerdings mindestens einen halben bis einen ganzen Tag in der antiken Stadt zu verbringen. In der folgenden Beschreibung eines Pompeji-Rundganges gehe ich davon aus, dass etwa ein Tag in dieser weltberühmten archäologischen Stätte verbracht wird. Sollte nur einen halber Tag zur Verfügung sein, ist es angebracht, sich nur auf die erste Hälfte dieser Beschreibung zu konzentrieren.

Es empfiehlt sich zudem, auch eine Runde über den nicht ausgegrabenen Teil zu unternehmen. Dort kann nämlich nachvollzogen werden, wie Pompeji vor dem Beginn der Ausgrabungen 1748 ausgesehen hat. Man würde nie vermuten, dass sich unter den Feldern, die mit Gemüse und Wein angebaut sind, noch ein weiteres Drittel der Stadt befindet.

Ein neuer Rundgang um die Mauern der Stadt ist anlässlich des 250. Jahrestages der Entdeckung von Pompeji angelegt worden, dieser Rundgang nimmt jedoch einige Zeit in Anspruch, sodass man ihn auf einen weiteren Besichtigungstag verlegen sollte. Lohnend ist er auf alle Fälle, völlig neue Eindrücke und Besichtigungswinkel öffnen sich. Der Einstieg zum Rundgang befindet sich beim Amphitheater an der Porta Nocera und entfaltet sich bis zur Villa dei Misteri.

Obwohl Pompeji eine der best ausgegrabenen archäologischen Städte der Welt ist, gibt es so gut wie keine wissenschaftlichen Publikationen über die einzelnen Monumente der Stadt. Die Erhaltung der Stadt ist außerordentlich kostspielig und kompliziert; viele Gebäude sind zerfallen, von Sträuchern überwachsen, die Wandbilder verblassen immer mehr. Pompeji befindet sich in einer stark übervölkerten Gegend, die als sozial problematisch angesehen wird. Die Diebstähle sind seit immer schon eine wahre Plage in Pompeji, wie die Plünderung des Antiquariums oder das andauernde Verschwinden von zahlreichen Reliefs und anderen Bauelementen der Stadt.

Etwa. 2 Millionen Besucher kommen jährlich nach Pompeji. Die meisten Besucher, vor allem Reisegruppen und Schulklassen, konzentrieren sich auf ganz präzise Besichtigungsorte und Parcours; kaum biegt man in eine Seitengasse ein, ist man zumeist alleine.

Die Unterteilung der Stadt in sogenannte Regionen und Inseln entspricht nicht der originalen römischen Einteilung, sie wurde erst vom Archäologen Fiorilli im Jahre 1858 vorgenommen. Die Römer kannten keine Straßennamen, die einzelnen Straßen und Gassen wurden nach den vorhandenen Brunnen benannt.

Die Häuser bekamen von den Ausgräbern den Namen ihres antiken Bewohners, sofern dieser bekannt war. Ansonsten wurden die Häuser nach Fundgegenständen, Wandmalereien oder mit den Namen eines prominenten Besuchers verbunden.

Nicht wenige Versuche wurden unternommen, den Komfort der Gäste bei ihrem Besuch in Pompeji dem europäischen Standard anzupassen. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 250. Jahrtag des Ausgrabungsbeginns, wurde ein tragbares Besuchertelefon, ähnlich wie in den meisten Museen Europas, eingerichtet, wo mittels einer Nummernwahl die wichtigsten Beschreibungen der Monumente abzuhören sind. Nach bereits einem halben Jahr waren alle Geräte mehr oder weniger zerstört und wurden alsbald aus dem Verkehr gezogen. Nicht zu vergessen ist, dass die mächtige Führergilde von Pompeji die Älteste der Welt ist, sie blickt auf 250 Jahre Tätigkeit zurück. Es ist jedoch nicht immer eine dementsprechende Qualität zu erwarten; das Kriterium der Auswahl der Führer unterliegt heute der Region Kampanien und oft ist es nicht verständlich, unter welchen Gesichtspunkten die Auswahl erfolgt. Von den 300 lokalen Reiseleitern sind einige hervorragend, viele jedoch beschränken ihre Führung auf einen Schnelldurchgang von einer Stunde mit sehr oberflächlichen Erläuterungen. Reisegruppen können auf einen lokalen Führer nicht verzichten, sie würden sofort behindert werden, während es Familien und kleineren Freundesgruppen freibleibt, einen lokalen Führer zu nehmen oder nicht.

In Pompeji finden wir alle typischen Elemente und Bauten einer römischen Stadt. Sie unterscheidet sich jedoch von allen anderen dadurch, dass sie am 24. August 79 nach Christus durch den Ausbruch des Vesuvs verschüttet worden ist und nie mehr überbaut wurde. Das Leben im Pompeji ist innerhalb weniger Minuten zusammengebrochen. Wir besichtigen eine Stadt, die an jenem Tag aufgehört hat zu existieren. Pompeji zeigt uns die Fotografie ihres letzten Tages und ist nicht, wie die meisten römischen Städte, langsam zerfallen und durch mittelalterliche Bauten überlagert worden. Deshalb birgt Pompeji viele Informationen über das tägliche Leben als andere Städte im Römischen Reich, da hier die Zeit und die Bausubstanz nicht dem Verfall der Zeit preisgegeben wurden, sondern durch die traumatischen Ereignisse des Ausbruchs erhalten geblieben sind. Etwas zynisch definiert sie Goethe als die schönste Tragödie der Menschheit. Nicht nur die Bausubstanz alleine ist so wichtig in Pompeji, sondern auch das was wir als mindere Literatur bezeichnen: Inschriften, Graffiti und Abrechnungen. Die Gastwirte schrieben nämlich ihre Berechnungen an die Wand und übermalten diese immer wieder aufs neue. So sind die Preise verschiedenster Waren und Dienstleistungen bekannt. Beschimpfungen und Kommentare aller Art wurden an die kaum verfensterten Außenwände der Häuser gekritzelt. Sie sind heute verblicht und zumeist verschwunden, wurden aber von den Ausgräbern festgehalten und in verschiedenen Bänden gesammelt. Sie beschreiben uns das tägliche Leben einer römischen Provinzstadt.

Es sollte darauf hingewiesen werden, dass Pompeji eigentlich zweimal zerstört wurde, der definitiven Zerstörung und Bedeckung durch den Vulkanausbruch im Jahre 79 war ein verheerendes Erdbeben im Jahre 62 vorausgegangen, das praktisch die gesamte Stadt zerstört hatte. Im Moment des Vulkanausbruchs war die Stadt wieder im Aufbau, aber die meisten Gebäude und öffentliche Einrichtungen funktionierten nur provisorisch, fertiggestellt war letztlich nur der Isistempel, das Amphitheater und viele Gebäude lag weiterhin brach. Auch antike Plünderungen sollen mitberechnet werden. Obendrein kommen noch 250 Jahre in mancher Hinsicht nicht immer gelungene und Originaltreue Restaurierungen, die das ursprüngliche Aussehen der Stadt ebenfalls prägend verändert haben. Ein aufschlussreicher Vergleich kann im archäologischen Nationalmuseum in Neapel beobachtet werden. Dort steht nämlich das Modell der Stadt nach den Ausgrabungen von 1870. Es gibt auffällige Verschiedenheiten zur derzeitigen Bausubstanz. Eine Unmenge von Funden, die teilweise nicht wieder ihren Originalfundort zugewiesen werden können, befinden sich in mehrerlei Magazinen. Nur schleppend schreitet die Bestandsaufnahme fort.

Anschließend der Ticketkontrolle befindet sich die Pforte in die antike Stadt, die porta marina, das als jüngstes Stadttor von Pompeji gilt und gänzlich in der Mauertechnik opus incertum errichtet worden ist und aus einem tonnengewölbten Gang mit zwei Durchgängen besteht.

Ehe die Stadt durch die porta marina betreten wird, sieht man auf der linken Seite knapp unterhalb der Stadtmauern ein großes Gebäude, bekannt als Vorstadttherme oder Therme suburbane, die demnächst den Besuchern geöffnet werden sollen. Darunter kann man noch eine antike Schiffsanlegestelle erkennen. Von dieser führte ein fast kilometerlanger Kanal zum Stadthafen am Meer. Ursprünglich war die Therme suburbane drei Stockwerke emporragend. Ihr unterlag eine besondere Funktion, die uns über die Cleverness der Römer Aufschluss gewährt. Die Therme suburbane waren durchweg in den römischen Städten vor dem Haupttor angebracht, um den Reisenden die Gelegenheit zu geben sich zu säubern und umzuziehen. Bevor die Stadt durch die porta marina betreten wurde, musste sich der Seemann oder der Auswärtige in den Thermen rein waschen und umziehen. Der Torweg von der porta marina führt geradewegs ins Forum. Es war nämlich ausgeschlossen das Forum mit schmutzigen oder schäbigen Kleidern zu betreten. Das Forum war für die Römer ein halbheiliger Platz, gewissermaßen wie der Rote Platz in Moskau zu sowjetischen Zeiten. Dort sollten Bürger und Besucher sich anständig benehmen und nicht auffällig verhalten, Konversationen sollten mit ruhiger Stimme geführt werden.

Die Stadtbewohner selbst benützten diese außerstädtischen Thermen kaum, bis auf die Angehörigen der unteren Klassen. Nicht von ungefähr gehörte zu diesen Termen ein Bordell mit erotischen Darstellungen an den Wänden, was für Stadtthermen üblicherweise unüblich sind. Die Funktion dieses Bordells in Beziehung zu den Gästen, vor allem Männern, zu stellen, soll bestimmt nicht näher erläutert werden. Die Thermen selbst sind mit schönen Stuckdekorationen und Mosaiken ausgestattet, eine davon zeigt den Kriegsgott Mars umgeben von fliegenden Eroten, die seine Waffen halten. Die erotischen Fresken in den römischen Freudenhäusern haben zu einigen Missdeutungen geführt, da im letzten Jahrhundert das erotische Element eine andere Wertstellung hatte als im Klassischen Altertum. Diese Malereien mit verschiedenen Liebespositionen waren ursprünglich als eine Sorte Preislisten für jene Besucher gedacht, die knapp Latein sprachen, gedacht.

Die Gasse führt durch das Stadttor herein, entlang der via marina, die sich mit einer deutlichen Steigung zum Forum, dem Hauptplatz der Stadt, hinaufzieht. Rechts befindet sich der Venus Tempel, während links eine Reihe von verfallenen Läden sichtbar ist. Der Tempel der Venus war in römischer Zeit weit vom Meer aus sichtbar, weil er auf einer natürlichen Terrasse zwischen der porta marina und der Basilika aufgebaut war. Er bestand aus erlesenem Marmor, ausgestattet mit kostbarer Verkleidung, nur geringfügige Bruchstücke sind erhalten geblieben. Der Tempel selbst ist schon im Jahre 62 n. Chr. von einem großen Erdbeben teilweise zerstört und nie wieder aufgebaut worden. Zudem wurden kurz nachher die Überreste seiner kostbaren Ausstattung geplündert. Nur wenig Fragmente, die jedoch den ursprünglichen Reichtum erahnen lassen, sind noch vorhanden. Bis zu seiner endgültigen Zerstörung im Jahre 79 wurde im Inneren (cella) ein provisorischer Kleinbau (aedicula) eingebaut, um den Venus-Kult weiterzuführen. Archäologisch gesehen gab es drei Bauphasen, wobei die sullanische die älteste ist, ca. 90 v. Chr. In julisch-claudischer Zeit wurde der Tempel vergrößert und grandios ausgestattet. Er bringt uns zum ursprünglich römischen Namen von Pompeji “colonia cornelia veneria pompeianorum“. Dieser Namen birgt die sullanische Neugründung im Jahre 90 v. Chr. in sich: nach dem Bundesgenossen-Krieg enteignete der römische Feldherr Sulla den ursprünglichen osko-samnitischen Einwohnern, die seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. Pompeji bewohnten, die Stadt und siedelte dort die Veteranen der zweiten sullanischen Legion, nach ihren 20 Jahren Legionärdienstzeit, an. Feldherren waren auch für die Auszahlung ihrer Legionen persönlich verantwortlich. In Pompeji bekam jeder Legionär etwa ein Fünftel einer insula und fünf Morgen Land. Die Neugründung wurde unter der Schutzpatronin Venus, angebliche Ahnmutter des Cornelius Sulla, vorgenommen. Deshalb ist es verständlich, dass dieser Tempel vielmehr eine repräsentative Funktion als eine kultische innehatte. Der Namen Pompeji selbst ist von ungewissem Ursprung, er kommt aus der italischen Osko-Samnitischen Sprache.

Bündig gegenüberliegend dem Venus-Tempel befindet der Apollo-Tempel. Im Gegensatz zum Venus-Tempel ist er nach dem Erdbeben vom Jahre 62 n. Chr. sorgfältig renoviert worden, die Arbeiten wurden jedoch nie vollständig abgeschlossen. Der Apollo-Tempel war der kultische Mittelpunkt von Pompeji. Apollo war nämlich die Hauptgottheit in Pompeji und bildete den religiösen Kern der Stadt. Aus der gefundenen Keramik lässt sich schließen, dass der Kult schon zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Ch. existierte. Um 90 v. Chr., in der Zeit der Legionsgründung, ist das Heiligtum grundlegend renoviert worden. Apollo war in der Frühzeit zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert die wohl bedeutendste Gottheit des griechischen Pantheons, man denke an den Apollon vom Delphi, von Delos, von Neapel und vor allem den Apollon von Cumae. Seine Zuständigkeitsbereiche umfassen weitgehende Aspekte, nicht nur Wahrsagerei, sondern vor allem den medizinischen, der wohl wichtigste, bis er später vom Gott Asklepios abgelöst wird. Gerne erscheint er zusammen mit seiner Schwester Diana, zuständig für verschiedene Frauenbelange. Nicht zufällig steht auf der rechten Längsseite eine große Statue des Apollo als Bogenschütze, während auf der linken seine Schwester Diana gefunden wurde. Der Tempel selbst ist von einem hellenistischen Porticus umgeben und weist sechs Säulen an der Front und neun an den Längsseiten auf. Links vor der Tempeltreppe steht eine Sonnenuhr, die in der augustäischen Zeit angefertigt wurde. Sie markierte die offizielle Stadtzeit, dies bestätigt uns die Inschrift die sich unter der Sonnenuhr befindet. Gegenüber vom Apollo-Tempel befindet sich die Basilika, dessen Hauptseite sich zum Forum orientiert.

Das Forum

Jeder Besucher, der zum ersten Mal das Forum betritt, bezieht einen besonderen Eindruck. Das Forum zu besichtigen ist eine nicht einfache Aufgabe, da es von einer Vielzahl von Gebäuden bestückt ist, wobei jedes seinen logischen Platz in der Stadtstruktur innehält. Es lohnt sich dieses Forum etwas genauer zu betrachten, römische Städte sind normalerweise annähernd ähnlich organisiert. Nur das Forum Romanum in Rom stellt eine Ausnahme dar, es ist unvergleichlich mit jeder anderen Stadt, zum einen, weil Rom die das Zentrum der Macht ist und zum anderen diese Stadt über 1300 Jahre lang aus einer Kleinstadt zu einer Millionenmetropole gewachsen ist.

Das Forum ist das Zentrum des politischen, sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Lebens jeder römischen Stadt. Die Gebäude am Forum sind öffentliche Verwaltungs- und Geschäftszentren, es gibt dort so gut wie keine Wohnhäuser. Im Süden befindet sich die Basilika, die Stadtverwaltung und das Wahllokal, im Norden das Kapitol, das den zentralen römischen Gottheiten Jupiter, Juno und Minerva geweiht ist. Es ist kein spezifischer Kulttempel des Volkes, sondern die offizielle Repräsentation Roms in einer Provinzstadt. Zu besonderen Anlässen werden hier die offiziellen Opferdarbringungen der Stadtbevölkerung vollbracht. Der Tempel ist rechts und links eingerahmt von zwei Ehrenbögen, die mit Marmor verkleidet waren. Auf einem dieser Bögen fand man die Reste einer Kaiser-Statue, vermutlich des Caligula. Im östlichen Teil des Forums von Pompeji sehen wir der Reihe nach dem Gebäude der Eumachia, ein Stoffmarkt, wo die Händler-Innung ihren Sitz hatte, den Tempel für den Genius des Kaisers, den Tempel für die Laren, den Schutzdämonen der Stadt, sowie das Macellum, der Fisch und Fleischmarkt. Auf der westlichen Seite befindet sich hingegen das Forum olitorium, der Gemüse Markt und der Apollo-Tempel. Gegenüber beginnt die via della abbondanza, die Hauptstraße von Pompeji. Das Forum war umgeben von einem porticus, einem überdachten Umgang mit Säulen, der auf der westlichen Seite doppelstöckig aufgebaut war. Vor der Basilika ist die doppelte Säulenordnung wieder aufgebaut worden; im Erdgeschoss ist die Ordnung der Kapitelle dorisch, im zweiten Stock ionisch. Dazwischen lag ein Architrav mit Metopen und Triglyphen. Zum ersten Stock gelangte man über Treppen, die an den Ecken und in der Mitte des Säulenganges angebracht waren. Die Säulen vor dem Macellum waren kanneliert und mit korinthischen Kapitellen versehen. Eine Inschrift wurde im Porticus vor der Basilika gefunden, die uns darüber informiert, dass der Quästor Vibius Popidius sie zwischen 89 und 80 v. Chr. erbauen ließ. Das Amt des Quästors ist das Übergangsamt zwischen der Eroberung einer Stadt und die Gründung der Kolonie. Das Forum war geschmückt von einer Vielzahl von Ehrenstatuen, von denen jedoch keine einzige erhalten geblieben ist, nur die Basen zeugen davon. Wahrscheinlich sind sie schon infolge des Erdbebens von 62 n. Chr. zerstört und nicht wieder restauriert worden. Am Forum selbst war der Wagenverkehr verboten.

Die Basilika

Die Basilika ist eine der wichtigsten Bauten in der römischen Verwaltungsstruktur. Der Namen Basilika kommt vom Griechischen und bedeutet das Königshaus, es hat die Funktion eines Justizpalastes und ist im heutigen Sinne auch mit Funktionen einer Bank zu verstehen, da dort die Geldwechsler, die sogenannten argentarii, ihren Geschäften nachkamen. Sie war auch der wichtigste Versammlungsort der römischen Bürger, es wurden Nachrichten ausgetauscht, Beziehungen gepflegt und Geschäfte abgewickelt. Viele Graffiti sind von den Besuchern an den Wänden eingeritzt worden und geben uns einen interessanten Einblick in das Leben der Bürger von Pompeji. Die Basilika ist vermutlich gleichzeitig mit dem Umbau des Porticus entstanden und gilt heute als der ästestbekannte dieses Bautypes. Die frühe Datierung um 90 v. Chr. wird bestätigt vom Stil der Wandmalereien, die im ersten Stil gehalten sind und in Rom kurz nach 90 v. Chr. der neuen Mode des zweiten Stiles weichen. Das Gebäude besteht aus drei Schiffen, wobei noch immer nicht geklärt ist ob das mittlere Schiff überhaupt überdacht war. Die zwei Seitenschiffe waren doppelstöckig, von dort konnte das Publikum die öffentlichen Gerichtsverhandlungen verfolgen, so ähnlich wie das heute in den Gerichtssälen möglich ist. Die Gerichtssprüche wurden vor der Basilika veröffentlicht, ein Beispiel in Herculaneum ist vielsagend. Die Seitenwände sind mit Halbsäulen gegliedert, während das mittlere Schiff von mächtigen Säulen eingerahmt ist. Die Säulen sind nicht aus monolithischem Stein geschlagen, sondern mit eigens dafür produzierten Ziegeln gemauert. Anschließend wurde Stuck mit Marmorpulver aufgetragen, um die sehr teuren monolithischen Marmorsäulen zu imitieren. Der Eingang befindet sich auf der Ostseite und war in fünf Türen gegliedert, er hat eine kleine Vorhalle (narthex). Gegenüber vom Eingang am anderen Ende der Basilika steht erhöht ein Podium, das Tribunal, mit Säulen an der Front, wo die Richter tagten. Im Hintergrund befand sich eine überlebensgroße Statue des regierenden Kaisers.

An der Südseite des Forums befinden sich drei verschiedene Verwaltungsgebäude, die der Stadtverwaltung vorbehalten waren. Davor befanden sich eine Reihe von Säulenbasen und Sockel, die Statuen der Kaiser, deren Angehörige und berühmte Familien von Pompeji trugen. Die drei Verwaltungsgebäude bestehen im wesentlichen aus großen rechteckigen Räumen, in einem ist noch der Marmorfußboden erhalten. Man kann davon ausgehen, dass sich hier die Verwaltungsräume der drei grundlegenden Pfeiler der Politik und der Verwaltung befanden, die verschiedene Bereiche des öffentlichen Lebens einer Stadt deckten: Decurionen, Magistrate und Volk. Der ordo decurionum entsprach dem heutigen Stadtrat, er hatte jedoch keine wirklich entscheidende Beschluss kraft. Er bestätigte die Erlässe der Duomviri und der Ädilen und deckte mehrere ehrenamtliche Ämter. Die einzelnen Decurionen mussten über ein beträchtliches Vermögen verfügen und sich verschiedenen moralischen Anforderungen verpflichten. Natürlich wurden in diesen Räumen auch die Akte aufbewahrt, sodass sich ursprünglich hier schwere Kästen befanden

Die Magistrate übten die tatsächliche Macht aus: sie setzen sich aus zwei Ämtern zusammen. Die Entscheidungskraft war vier Magistraten inne, die jeweils zu zweit arbeiteten inne.

Die ranghöheren duoviri iure dicendo entsprachen dem heutigen Bürgermeister und den Staatsrichtern, sie wurden für fünf Jahre in ihr Amt berufen. Sie verwalteten die Staatskassa, die wirtschaftlichen sowie politischen Angelegenheiten der Stadt und übten die Justiz aus. Sie besaßen eine erhebliche Macht und kontrollierten ob die Decurionen immer über das nötige Vermögen verfügten und den nötigen Anforderungen entsprachen, um weiterhin im Stadtrat mitzuwirken. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die duumviri meist aus wenigen mächtigen Familien der Stadt stammten.

Die Ädilen kümmerten sich um die Instandhaltung der Straßen und der öffentlichen Gebäude, um die Baurechte, sowie um die Wasser- und Lebensmittelversorgung. Sie wurden jährlich neu gewählt und gehörten dann ihr Leben lang zum ordo decurionum. Die Ädilen waren vor allem junge Männer, die zum ersten Mal ein politisches Amt überhatten und somit besonders bemüht waren guten Eindruck und Unbestechlichkeit vorzuweisen.

Das Volk hingegen ist die Versammlung der wahlberechtigten Bürger, die in andauernd ausgerufenen Wahlen und Meinungsumfragen die Beschlüsse der Politiker bestätigten. Wahlberechtigt waren ausschließlich frei geborene und freigelassene Männer. Bei der jährlichen Wahlkampagne, die allemal im Frühjahr stattfanden, wurde die Stadt mit Wahlplakaten und Wahlinschriften versehen. Daran nahmen auch Frauen, Sklaven und nicht wahlberechtigte Bürger mit großem Engagement teil. Die zur Wahl aufgestellten Kandidaten führten auf eigene Kosten öffentliche Arbeiten durch, sie veranstalteten Spiele im Amphitheater, um die Wählerstimmen zu bekommen. Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass die Häuserwände in den Straßen mit Wahlinschriften ausgefüllt waren; aus ihnen können wir erkennen, welche Politiker und welche Beschlüsse im Moment der Zerstörung in Pompeji aktuell waren. Die Wahlversammlungen fanden im comitium, an der Südostecke des Forums, statt. Zahlreiche Toren, fünf im Norden und fünf im Westen, erlaubten den Zutritt der Wähler vom Forum her und kanalisierten den Abgang zur via della abbondanza. Auf der Tribüne hatten die Magistrate ihren Sitzplatz, von wo aus sie die Durchführung der Wahlen organisierten und überprüften.

Das Gebäude der Eumachia

Das bedeutende Gebäude wurde von einer gewissen Eumachia gebaut, die nach dem Tod ihres Ehemanns, Erbin eines großen Woll-Handelsunternehmers wurde und zum Amt der Priesterin der Venus kandidierte, die wichtigste ehrenamtliche Funktion einer Frau in dieser Stadt. Um in dieses Amt gewählt zu werden, spendete sie der Stadt in der Regierungszeit des Kaisers Tiberius um 22 n. Chr. dieses Bauwerk, das zu den glanzvollen öffentlichen Anlagen gezählt wurde. Am Haupteingang ist ein großartiger Fries aus Marmor zu beobachten, der unmittelbar an den Friedensaltar, die ara pacis, des Augustus in Rom hinweist. Es stellt eine klare Andeutung an dessen Politik des goldenen Zeitalters, die aurea aetas, dar. Der Fries ist mit fortlaufenden Akanthusranken versehen und mit kleinen Vögeln und Insekten bevölkert. Es soll nicht vergessen werden, dass die Zeit von 42 v. Chr., der Schlacht von Philippi mit den Mördern von Caesar, bis 31 v. Chr., der Schlacht von Actium, zwischen Augustus und Antonius, von einer gewaltigen Propagandaschlacht geprägt war. Im gesamten römischen Reich versuchten Augustus und Antonius die Truppen und den Konsens der Bürger jeweilig auf die eigene Seite zu bringen. Nach der erfolgreichen Schlacht von Actium ließ Augustus den Altar des Friedens in Rom anfertigen. Beschrieben und theoretisch verfasst ist diese augusteische Idee vom Dichter Vergil in der Äneis und in der Bucolica. Vor allem das vierte Gedicht der Bucolica, welches das Ende des ehernen Zeitalters und den Beginn des goldenen verkündigt, wird mit der Geburt eines Knaben verbunden, der dies durchführen wird. Es ist auf die Geburt von Augustus bezogen und sollte die Einführung des Kaiseramtes zusätzlich legitimieren. Dieses Gedicht wird den Herrschaftsanspruch vieler Herrscher bis zur gegenwärtigen Zeit prägen. Der Fries ist das Sinnbild für dieses Gedicht und ist die Darstellung für das goldene Zeitalter, das von besonderer Bedeutung für die Römer war. Das Gebäude der Eumachia ist um einen Innenhof mit korinthischen Säulen angelegt. Ringsum befindet sich eine Vielzahl von Geschäftseinheiten, während sich an der Hauptfront verschiedene Statuen befanden. Das Statuenprogramm verweist auf das Augustus-Forum in Rom und war den bedeutsamsten Mitgliedern der Julier gewidmet, dargestellt sind Augustus, Äneas, Caesar und Romulus. Dieser Bau, ein großer Wollmarkt, ist entsprechend einem gegenwärtigen luxuriösen Einkaufszentrum. Hier wurden teure Stoffe und römische Luxuskleider angeboten. Die Läden am Forum waren wohl ohne Zweifel der Oberschicht der Stadt vorbehalten, da sie im Verhältnis zu den vielen kleinen Betrieben in den Gassen wesentlich teurer waren. Eumachia selbst besaß in einer Nische ihre persönliche Statue. Nach dem Erdbeben von 62 n. Chr. war das Gebäude nicht mehr restauriert worden. Vor der porta nucera kann man noch ihr Grab besichtigen, das aber leider des gesamten Schmucks beraubt wurde.

Anschließend befindet sich eine große Räumlichkeit, dessen wesentliches Merkmal ein kleiner Altar ist, der sich im Zentrum des Raumes befindet. Es ist nicht deutlich, ob dieser Raum überdacht war. In der Nische der hinteren Wand ist die Statue vielleicht jenes Kaisers aufgestellt gewesen, der zum Zeitpunkt der Vernichtung Pompejis in Rom regiert hat, deshalb denkbar die Statue des Kaisers Titus, den Eroberer von Palästina. Er starb allerdings nach nur zwei Jahren Amt, er regierte von 79-81 n. Chr. Dieses Gebäude ist dem Kaiserkult gewidmet, wobei man nicht missverstehen soll, nicht der Kaiser selbst wurde verehrt, sondern sein Genius, ein Dämon, der im aktuellen Sinne unserem Schutzengel entspricht. Titus ließ sich normalerweise immer mit seinem Vater Vespasian darstellen, deshalb ist der Tempel Kaiser Vespasian (69-79 n. Chr.) gewidmet, er wurde zu dessen Regierungszeit errichtet. Nicht zu vergessen ist, dass der Kaiser in Rom auch oberster Priester war, pontifex maximus. Der Altar zeigt Reliefs an allen vier Seiten. Die uns zugewandte Seite zeigt eine typische römische Opferszene. Ein Priester mit verhülltem Haupt, dessen Gesicht Kaiser Augustus entspricht, opfert auf einem Dreifuß. Dieser ist eines der Hauptattribute von Apollon, dem Schutzgott des Augustus. Neben dem Priester stehen zwei Liktoren und ein Musiker, der mit einer Doppelflöte, genannt Doppelaulus, spielt. Ohne Flötenspieler konnte man den Göttern kein Opfer darbringen. Das Flötenspiel war besonders kompliziert, die Noten mussten genauestens gespielt werden, sonst war das Opfer wertlos. Auf der abgebildeten Szene steht vor dem Priester ein Opferdiener, der victimarius, er schlachtet mit seiner zweischneidigen Axt den Opferstier. Die anderen Seiten des Altars, die nicht sichtbar sind, zeigen Opferinstrumente, Girlanden aus Blumen, und ein Kranz aus Eichenlaub, die corona civica. Die bekannteste corona civica wurde auf Beschluss des römischen Senats am Eingang des Hauses von Augustus angebracht. Damit begann eine Tradition, eine Ehre die jedem Kaiser zuteil wurde, die das Kaisertum selbst symbolisierte. Erst nach ihrem Tod wurden die römischen Kaiser vergöttlicht; das typische Opfer für einen toten Kaiser war ein Ochse, Stiere dagegen wurden lebenden Kaisern geopfert.

Auf der Rückseite öffnet sich eine kleine Türe, die in drei hinter dem Tempel liegende Räume führt. Diese waren dem Aufseher des Tempels des Vespasian und des Heiligtums der Laren vorbehalten.

Das Laren-Heiligtum öffnet sich in der gesamten Breite zum Forum hin und weißt auf der hinter Seite eine runde Aedicula mit einer Nische auf. Die Dämonen die Genien und Laren sind ihm römischen privat Kult wichtige Schutzgottheiten: Genien beschützen die Personen während die Laren für Flur und Grund, sowie Gebäude zuständig waren. In diesem Gebäude handelt es sich um Laren, die Grund und Boden sowie Bauten der Stadt schützen sollten. Laren werden immer tanzend dargestellt, wir wissen nicht weshalb. Genien und Laren befinden sich außerdem immer in den kleinen Privataltären der Häuser.

Womöglich ist das Heiligtum der Laren nie vollkommen fertig gestellt worden, da die Marmordekoration der kompliziert gegliederten Seitenwände nie fertig wurde.

Die Ostseite des Forums wird abgeschlossen von einem großen Bau, das macellum, es sind Verkaufshallen für ausgesuchte delikate Lebensmittel und Gewürze. Die Toren des Gebäudes öffnen sich zum Forum aber auch zu einer Seitenstraße. Der Besichtigungsandrang in diesem Gebäude ist derzeitig ständig hoch, da sich linksseitig vom Eingang zwei Gipsabgüsse von umgekommenen Pompeianer befinden. 1860 bemerkte der Archäologe Fiorilli, dass sich bei den Ausgrabungen immer wieder Hohlräume vorfanden. Er entschloss sie mit Gips auszugießen, dabei kamen die Abdrücke der im Vulkanausbruch umgekommenen Pompeianern zu Tage. Unterdessen sind mehrere tausend von diesen Abdrücken gesammelt worden, sie geben einen außergewöhnlichen und tragischen Einblick in die letzten Sekunden des Lebens zahlreicher Bewohner von Pompeji. Die Einwohner sind bei dem Vulkanausbruch von einer bis zu 1000 Grad heißen unsichtbaren Gaswolke überrascht worden, die Körper wurden zumeist innerhalb Sekunden durch die Hitze aufgelöst. Das herunter regnende Eruptionsmaterial hatte dabei Zeit genug, sich an die Umrisse des Körpers anzulegen und einen Hohlraum zu bilden. Bei einer der zwei Gipsabgüssen sind noch Teile des Schädels und der Zähne erhalten geblieben, während der Rest des Körpers nur durch seinen Gipsabdruck zu erkennen ist. Aufschlussreich ist der erhaltene breite Gürtel, der den Stand als Sklave ausdrückt. Gegenüberliegend dem Eingang befinden sich drei Räume, der mittlere war ein der kaiserlichen Familie geweihtes Heiligtum, welches über fünf Stufen betreten wird. Die Bestimmung der anderen beiden Räume kennen wir nicht genau, vermutlich handelt es sich um Standplätze für Versteigerungen. In der Mitte des Hofes stehen zwölf restaurierte Sockel die zu einem Halbkreis angeordnet sind und von einer Leiste aus Marmor begrenzt werden. Früher wähnte man, dass es sich um die Basen von Säulen eines Rundbaus handeln könnte, das Becken in der Mitte war den zwölf olympischen Göttern geweiht. Die Funktion dieser Säulen war allerdings viel profaner, sie dienten eigentlich als Basen für Tische für den Fischverkauf. Bei Ausgrabungen fand man zahlreiche Fischgeräte und einen, durch die Mitte führenden, Abwasserkanal. Auf diesen Tischen wurde der Fisch gereinigt, ausgestellt und veräußert. Fisch galt als eine der vorzüglichen aber ebenfalls kostbaren Speisen, vor allem fette Fische waren besonders beliebt, berühmt ist die ertragreiche Muränenzucht des Kaisers Nero. Seitlich dem Hof gibt es zahlreiche kleine Räume, die mit spezialisierten Geschäften zu vergleichen sind. Seltene äußerst beliebte Gewürze und sonstige luxuriöse Ernährungsartikel wurden hier verkauft. Das Macellum kann im aktuellen Verständnis mit einem gehobenen Nahrungsmittelgeschäft verglichen werden. Die Wandmalereien enthüllen uns die Erzeugnisse, die hier veräußert wurden: Fische, Hühner und Brot und sonstiges Allerlei.

Ehe das Forum durch einen der Ehrenbögen verlassen wird, erschließt sich linkerhand der Haupttempel von Pompeji, der Juno Jupiter und Minerva gewidmet. Drei Säulenbasen wurden im inneren des Tempels gefunden, der kolossale Kopf des Jupiter ist noch erhalten, desgleichen die Gesichtsmaske der Göttin Juno. Der Tempel steht auf einem viereckigen Podium von 16 mal 37 Meter Länge und ist innen hohl. Charakteristisch für römischen Tempel nimmt die Cella die Hälfte des gesamten Podiums ein, während die Fassade von vier Säulenreihen ausstattet war, die Wände sind mit einer nachgeahmten Marmorverkleidung des ersten Stiles dekoriert. Zur Zeit des Vulkanausbruchs war der Wiederaufbau nach dem Erdbeben von 62 n. Chr. noch voll im Gange, der Bau war längst nicht vollendet, keine Überreste vom Dach wurden gefunden. Der Tempel hat verschiedene Bauphasen, schon in Vorrömischer Zeit war er einer namenlosen Gottheit geweiht.

Ist das Forum durch den Torbogen verlassen, befindet sich auf der linken Seite der städtische Thermenkomplex. In den ehemaligen Frauenthermen ist das einzige Kaffee und Restaurant, das sich innerhalb des Grabungsgeländes befindet, eingebaut, hier gibt es die einzigen Toiletten der gesamten Anlage, so dass sich eine Rast und Kaffeepause da durchwegs lohnt.

Zu besuchen sind die Männerthermen, der nächste Eingang nach der Cafeteria, die an der Palästra erkennbar ist, die nur den Männern vorbehalten ist, heute verbirgt es das Restaurant. Im Anschluss an die Palästra befindet sich der Umkleideraum (apodyterium), er ist mit einem Tonnengewölbe und einem Mosaikfußboden mit weißen unregelmäßigen Steinchen ausgestattet. An den Seitenwänden gab es üblicherweise Mauernischen, dort konnten allerdings keine Spuren festgestellt werden, sodass die Meinung überwiegt, hier befanden sich möglicherweise Kleiderschränke, im Unterschied zu anderen bekannten Thermen. Erklärbar ist dies mit dem alten Bautyp der Anlage. An der Südseite schließt sich ein besonders gut erhaltenes kalte Bad (frigidarium) an, ein Raum mit einer runden Kuppel und vielen Nischen in den Ecken. Die Lichtöffnung in der Kuppel öffnet sich auf ein großes rundes Becken, in das man über Stufen einsteigen konnte, um kalt zu baden. Das frigidarium ist typisch für Männerthermen, in Frauenthermen ist es kaum zu finden. Der lauwarme Raum (tepidarium) ist die besterhaltene Räumlichkeit dieser Thermen und enthüllt einige interessante Details, von Atlanten (Telamonen) getragene Wandschränke für die Salben, Cremen und Parfüme, die sich der Besucher von zu Hause mitnahm.. Die Atlanten sind aus Ton gefertigt und mit Stuck überzogen, manche sind nackt, andere mit Tierfellen bekleidet. Hübsche Stuckdekorationen an den Gewölben präsentieren verschiedene Mythen, die Hautfarben der Figuren sind in violett und blau gehalten. Der Raum, versehen mit einem Tonnengewölbe, hatte keine Heizung und wurde von einem Kohlebecken erhitzt, dies ist beispiellos. Auf dem Kohlebecken ist eine Kuh abgebildet, eine Anspielung auf den Namen des Spenders. Auf den originalen zwei Bronzebänken wurden die Gäste massiert, gewaschen und eingeölt. Der nächste Raum ist der wärmste der Anlage: das caldarium. Die Wände sind gelb gefärbt und mit roten Pilastern untergliedert, das Tonnengewölbe zeigt eine Stuckverzierung auf. Dieser Raum ist mit der klassischen Heizungsanlage für Thermen versehen: der Boden liegt auf Hypokausten auf, ebenso die Wände wurden mit heißer Luft beheizt. Linksseitig steht in der Apsis ein großes Becken (labrum) aus Marmor mit einer Inschrift mit Bronzebuchstaben, die den Stifter nennt und wie viel es gekostet hat: „C.M.Aper und M.S.Rufus, als sie zum zweiten Mal duumviri waren, das Becken auf Beschluss der Decurionen mit öffentlichen Geldern stifteten, es kostete 5250 Sesterzen“. Die beiden waren im Jahr 34 nach Christus duumviri. Entgegengesetzt befindet sich das Heißwasserbecken, das Alveus, aus Marmor mit zwei Stufen zum hin einsteigen. Annähernd zehn Personen konnten darin Platz finden. Die Mitte des Raumes diente als Schwitzbad. Hinter dem caldarium befinden sich die Heizungsanlagen (praefurnia), die Männer und Frauenthermen gleichzeitig bedienen konnten.

Fenster. Ein Besuch in den römischenThermen

Als in Athen die Pest wütete, ließ um 428 v. Chr. der attische Staatsmann Perikles, er selbst würde wenig später an dieser Seuche sterben, einen hochgeschätzten Arzt nach Athen kommen, um einen medizinischen Rat, wohl einer der teuerste, zur Bekämpfung der Pest zu erlangen. Nach zwei Tagen Augenschein spricht Hypodamus von Milet folgende zwei berühmte Worte: „wäscht euch“. Dadurch beginnt eine neue Zeit der Hygiene und der Waschkultur, die gesamte Antike wird maßgeblich davon geprägt. Aufschlussreich ist dazu festzustellen, dass die Badekultur nicht nur die Eliteklasse betreffen kann, sondern die völlige Bevölkerung betreffen soll, um aussichtsreich die Pest vorbeugen zu können. Die Pest hat zwei fundamentale Nährboden: Überbevölkerung und mangelnde hygienische Kultur. Infolgedessen wurde die persönliche Hygiene ausnahmslos geradezu Pflicht, ohne die Unterschiede der gesellschaftlichen Klassen, aus denen die einzelnen herkamen. Natürlich erforderte die Entwicklung der Thermen zum Standardprojekt, das wir aus der römischen Welt kennen, eine lange Zeitspanne. Noch heute tradiert die arabische Welt mit ihren öffentlichen Bädern diese klassische Tradition weiter. Schon im dritten Jahrhundert v. Chr. sind im römischen Bereich die Grundelemente der späteren Thermen greifbar. War es am Anfang Notwendigkeit so entfaltet sich der Thermenbesuch andauernd mehr zu einem Vergnügen, auch der soziale Aspekt soll nicht vergessen werden. Die soziale Differenzierung und ereignete sich normalerweise keineswegs in verschiedenen Anlagen, sondern in verschiedenen Besucherzeiten. Morgens war der Zugang den unteren gesellschaftlichen Schichten vorbehalten, Sklaven, verarmte, durften nahezu gar nichts bezahlen. Die erstklassigen Zeiten waren am späten Nachmittag, der Eintritt in die Thermen wurde mit fortlaufenden Tag dauernd teurer, sodass die verschiedenen Vermögensklassen meist unter sich waren. Der Themenbesuch war nämlich nicht nur Hygiene und Entspannung, sondern auch soziale Kommunikation und bedeutend für das Geschäftsleben, sowie für die politische Karriere. Die Eintrittspreise variierten beachtlich stark, nur in Rom waren die großen kaiserlichen Thermen größtenteils kostenlos, da sich der Kaiser um den Konsens des Volkes besorgte. Im Laufe der Zeit überwiegte in der Palästra zunehmend auch die sportliche Aktivität. Zu einigen Thermen gehörte auch eine Sauna, das laconicum, nicht überall jedoch ist das nachvollziehbar. Der Bedarf an Holz und Wasser war außergewöhnlich. Bei großen Thermenanlagen wurden ferner eigene Wasserleitungen gebaut. Die Architektur der Thermen entwickelt sich zu dauernd komplexeren und größeren Anlagen. In Pompeji sind gegenwärtig fünf großer Thermenanstalten festgestellt, in Herculaneum zwei, obendrein können größere Privathäuser eigene kleinere Thermen aufweisen.

Normalerweise besteht eine Thermenanlage aus einer bestimmten Folge von Räumlichkeiten, Beginnend mit einem Eingang (vestibulum), wo zugleich bezahlt wurde. Männer warten auf ihren Turnus normalerweise in einer größeren Palästra, Frauen hingegen in einem geschlossenen Raum mit Bänken. Die eigentlichen beheizten Räume beginnen mit einem Umkleideraum (apodyterium). Der Besucher wird in Nischen, die normalerweise an den Wänden angebracht sind, seine Gewänder ablegen. Die Zahl dieser Nischen ergibt die Besucherzahl. Daraufhin begibt sich der Besucher in den lauwarmen Raum (tepidarium), dort befindet er dieselbe Anzahl an Nischen, wie im Umkleideraum. Da werden die eigenen mitgebrachten Kremen, Parfüme und Salben deponiert. Hier reibt das Dienstpersonal die Haut mit Sand und Öl ein, mit einem gebogenen Instrument (Stryghilis) wird die Haut mehrmals abgerieben. Das eigentliche Bad erfolgte in einer oder zwei Badewannen im heißesten Raum (caldarium), in einem meist prachtvollen monolithischen Kaltwasserbecken (Labrum), das sich in der Mitte einer Apsis befand, konnte der Gast sich abkühlen.. Ist das Bad durchgeführt, kehrt man wieder ins tiepidarium zurück, wo massiert und mit verschiedenen Ölen eingerieben wird. Es gibt außerdem die Möglichkeit, jedoch nur für Männer, man glaubte es würde Frauen schaden, in einem Raum (frigidarium) ein kaltes Bad zunehmen. Wieder im apodyterium werden die mitgebrachten sauberen Kleider eingekleidet. Für einen kompletten Thermenbesuch ist zwischen einer und zwei Stunden Zeitraum zu rechnen.

Männer und Frauen begehen üblicherweise nie dieselben Thermenräume, das erfolgt beginnend mit Spätantike, was mit Skandal von den christlichen Bischöfen verpönt wurde. Frauen und Männer waren meist im selben Gebäude angeordnet, allerdings rigoros getrennt, dieselben Heizanlagen konnten demgemäß verwertet werden. Ein schönes Modell dafür ist die Stadtthermen von Herculaneum. Die Therme suburbane waren meist den Besuchern vorbehalten, indessen befanden sich innerhalb einer Stadt, abhängig von ihrer Größer, verschiedene Thermen, in kleineren Städten gab es meist nur eine einzige.

Die Thermen Kultur endet sukzessiv mit dem Edikt von Mailand von Kaiser Theodosius 393 n. Chr., jedenfalls die Zerstörung der Wasserleitungen durch die Ostgoten im 5. Jahrhundert wird einem der Grundpfeiler des täglichen antiken Lebens beseitigten.

Die Wohnhäuser

Derzeitig können in Pompeji nur wenige private Wohnhäuser besucht werden, hypothetisch könnte man in Pompeji 95 private Wohnhäuser besichtigen, die gut erhalten und teilweise restauriert sind, geöffnet sind jedoch meist nur sieben bis acht. Allgemein können drei verschiedene Grundtypologien festgehalten werden; differenziert werden sie nach Größe und Reichtum.

Typ 1: Die große römische Domus mit Atrium und Peristylhof oder großen Gartenanlagen. Zu diesem Typ gehören das Haus des Fauns, der Vettier und des Menander, die zumeist besichtbar sind

Typ2: Häuser mit Atrium und einem Kleinen Hof, meist einem Nympheum, eine Anlage mit Brunnen und Wandmalereien, die den Ausblick in die Landschaft vortäuschen.

Typ3: Geschäfte und Läden mit kleinen dahinterliegenden Wohnräumen.

Das römische Wohnhaus

Römische Häuser entsprechen einer genormten Typologie, sie widerspiegelt die Struktur der römischen Gesellschaft. Natürlich gibt es eine Menge von Varianten, aber in großen und ganzen entspricht der Grundplan einer römischen Domus einem Standardplan. Das Römische Haus richtet sich nach innen, es orientiert sich vor allem zum Atrium, das eine Vielzahl vom Zwecke erfüllte.

Reiche römische Häuser sind auf die Selbstdarstellung des Hausherrn und somit seinem Geschlecht zugeschnitten. Das Atrium hatte nicht nur die Funktion des Wasserspeichers, sondern vor allem den Empfang wartender Klienten, die den sozialen Status des Hausherrn bezeugen. Die Ausstattung sollte den Gast mit Aufwändigkeit und Luxus beeindrucken. Die römischen Lebensrhythmen, der Tagesablauf und die Sitten entsprachen nicht unseren gegenwärtigen Gewohnheiten. Das römische Haus ist notwendigerweise auf diese Rhythmen und unterschiedlichen Lebensgewohnheiten abgestimmt. Um das Atrium ordnete sich der zentrale Teil des römischen Hauses, Schlafräume (cubicula), vor allem das Büro des pater familia (tablinum). Das Atrium genügte nicht nur dem sozialen, sondern war auch bedeutend für die Wasserspeicherung: das Dach war nach innen geneigt, damit das Regenwasser durch eine Öffnung (compluvium) in einem Brunnen (impluvium) niedersank und in die Zisterne abgeleitet werden konnte. Als Schutz für Öffnung im Boden wurde eine meist plastisch verzierte zylindrische Schranke (Puteal) aus Marmor angebracht, sie verhinderte Kinder und Personen in die Zisterne zufallen. Das Wasser, das man täglich benötigte, wurde mittels einem Kübel an einem Seil heraufbefördert.

Einschlägig haben die Feldzüge in die hellenistische Welt den Geschmack der Römer beeinflusst. Nicht nur der Grundplan des Hauses durch die Zufügung des Peristylhofes, griechischen Ursprungs, der den ursprünglichen Garten ersetzt, sondern auch die malerische Ausstattung selbst werden von der östlichen Kultur grundlegend beeinflusst. Die teuren Marmorinkrustationen der hellenistischen Welt wurden in Rom mit Malerei imitiert, indem die verschiedenen Marmortypen wurden, die Realität imitierend, in Quadern an die Wand gemalt, somit wurde die luxuriöse Wirkung der hellenistischen Häuser mit wenig Geld erreicht. Damit fand die römische Wandmalerei ihren Anfang. Diese Imitationen von Inkrustazionen werden als erster pompejanischer Stil der Wandmalereien definiert, die Hauptblüte finden wir ca. zwischen 300 und 100 v Chr. Als eleganteste Lösung galt die Einbindung in das Haus eines großes Peristylhof mit einer Gartenanlage mit Wasserspielen, die Frische in den Sommermonaten gewährleisten sollten. Um den Peristylhof wurden verschiedene Räume geordnet Wohnräume (exedrae) und Speisezimmer (triclinia) gruppiert. Nicht immer war es möglich einen großen Peristylhof anzulegen, Geld- oder Raummängel waren maßgeblich. Halbe oder kleine Peristyle werden oft ersetzt von einer Brunnenanlage (Nympheum). Es findet in den Wohnbereich die Einbeziehung von Garten und Landschaften statt, war der Platz nicht vorhanden, wurde dies mit Illusionsmalerei von Gärten, idyllischen Landschaften oder Architekturen erreicht. Deshalb ist die Entwicklung, rein römisch, zum sogenannten zweiten Stile der Wandmalerei, reale Abbildung einer idyllischen Szene, verständlich. Alle diese verschiedenen Typen von Peristylhöfe und Nympheen, sowie die meisten Wände mit aufgemaltem Garten finden sich in Pompeji und in Herculaneum. Häuser ohne Atrium und ohne Peristyl galten als ärmere Häuser der unteren Mittelklasse, infolgedessen bestehen die Häuser der kleinen Handwerker letztlich aus einem Geschäft und einige Räume dahinter, in denen man wohnte.

Es gibt außerdem Häuser mit einer überdimensionalen Gartenanlage mitten in der Stadt, wie z. B. die sogenannte Miniaturvilla längst der via della abbondanza. Gärten mit Portiken werden entlang einem Wasserlauf strukturiert. Protzig z. T. war auch die statuarische Ausstattung der Portiken und Peristylhöfe, Brunnen und Tische, Bänke aus Marmor, waren in diesen Gärtnern aufgestellt. Römische Häuser pflegten auch keine Fenster nach Hause zu haben. Die Haustür war die einzige Öffnung zur externen Welt, sonst öffneten sich alle Räume zum Innenhof. Die Oberlichter der Häuser waren vollends vergittert. Der Peristylhof war, wenn keine Gäste im Hause, vor allem am Nachmittag, auch der Bereich der Frauen und der Kinder, nicht nur die eigenen, sondern auch jene des Klientels wurden dort von Lehrern unterrichtet, griechische Lehrer waren am höchsten angesehen. Entlang den Umgängen des Peristyls befanden sich die Kästen mit der Hausausstattung: Bücher und Tafelgeschirr; im Haus des Polibius kann das noch nachvollzogen werden. Männer und Frauen essen in der Norm nicht zusammen, der Hausherr isst zumeist mit seinen Gästen, von denen gab es jede Menge, Klientel, Geschäftspartner, Familienangehörige, meist aber nur Männer waren täglich zu Gast.

Wird das Augenmerk auf teure Mosaiken gelegt sind die Wandmalereien schlicht. Selten findet man aufwendige Mosaiken und prunkvolle Wandmalereien zusammen in einem Raum. Man legt den Schwerpunkt oder auf Mosaiken oder auf Wandmalereien, bei komplex strukturierten Wandmalereien finden sich meist einfache Mosaik- oder Estrichböden. Man umgab sich mit der Illusion der reichen Luxuswelt, auch auf engsten Raum werden idyllische Ausblicke verwirklicht, die eigene mythische Wunschwelt trügt über die harte Realität hinweg. Der Traum jedes Römers, nur für wenige realisierbar ist ein Haus am Lande im engeren Kontakt zur idyllischen Natur, wo griechische Philosophie, Epik, Dichtung und Lektüre den Tag bestimmte (Otium) Dies wurde in den Stadthäusern schlichtweg imitiert.

Sklaven und Diener wohnten und arbeiteten in einem eigenen einfacher ausgestatteten Teil des Hauses, meist seitlich gelegen im Gebäude (pars rustica). Dort befand sich auch das Hausheiligtum mit den Wachsportraits der Ahnen (lararium). Zumeist waren diese an einer Wand angebracht mit den aufgemalten Schutzdämonen Laren und Genien.

In augustäischer Zeit, ca. um die Zeitwende, wechselt der Geschmack der römischen Welt von der realen Imitation von Landschaften und Architekturen in der Wandmalerei zu einem reduzierten und Realitätsfremden System der Darstellung. Die so genannte dritte pompejanische Wandmalerei zeigte uns absurde Architekturen, Säulen die nichts tragen können, die Wandmalerei wird vor allem ornamental und z. T. bizarr. Die Aussichten schließen sich nun, die Wände werden vor allem mit roter und schwarzer Farbe bemalen, eine Neuigkeit stellen Bilder dar, die direkt an die Wand aufgemalt werden und zumeist epischen Inhalt aufweisen. Auch kleine Bilder mit Hafenanlagen sowie Landschaftsaussichten werden nun bemalen. Massiv wird nun das berühmte pompejanische Rot verwendet, dessen genaue Herstellung wir aber leider nicht kennen und somit eine Restaurierung immer noch sehr schwierig durchzuführen ist. In der Zeit des Kaisers Nero komm es zum sogenannten vierten Stile, der viele Elemente des Zweiten Stiles mit den Dritten kombiniert. Erkennbar ist er durch die betonte Verwendung von den Farben gelb und weiß. Das bewirkt, dass nun die Wandgliederung eine erhöhte perspektivische Öffnung bekommt. Die meisten Wandmalereien in Pompeji gehören zu diesem vierten Stile, da nachdem großem Erdbeben im Jahre 62 die meisten Häuser renovierten wurden. Der vierten Stile wurde vom Kaiser Nero bei dem Umbau seiner Domus aurea in Rom entwickelt und war sofort Mode im ganzen Reich. Das römische Haus wird sich bis zum Ende des Weströmischen Reiches kaum verändern, nur die Bauqualität wird sich sukzessive verschlechtern.

Auch die Mosaike mit geschnittenen Steinen sind römischen Ursprungs, ursprünglich waren die Böden mit Estrich gewalzt, um ihn gleichmäßig einzuebnen wurden Referenzsteine gelegt, die immer mehr geometrische Muster bekamen rund sichtbar blieben. Daraus entwickeln sich die römischen Mosaikfußböden. Im ersten Jahrhundert war es noch üblich in der Mitte ein fein eingelegtes Bild mit Mosaik Steine zu verlegen, diese wurden zumeist in Labors von Kindern gefertigt, desto kleiner die Steine desto kostbarer waren die Bilder. Zurückgegriffen wurde auf Vorbilder berühmter griechischer Maler, deshalb kann man die Mosaike kaum als Kunst verstehen, sondern als ein gutes Handwerk. Um die Bilder rundherum wurden mit größeren Steinchen (tesserae) ornamental Motive verlegt. Im Laufe der Zeit wurden die Böden mit einheitlichen Steinen verlegt. In der Zeit vor Augustus finden sich meist schwarzweiße Bilder, die Sukzessive immer farbiger werden. Mosaiken konnten auch auf den Wänden verlegt werden, beliebt war das vor allem in Nympheen. Beliebt war auch die Böden mit farbigen großen Steinplatten (opus sectile) zu strukturieren, die häufig in verschiedenen Räumen eines Hauses angelegt waren. Mosaike finden sich vor allem in Speisezimmern. Atrium ordnete sich der zentrale Teil des römischen Hauses, Schlafräume (cubicula), vor allem das Büro des pater famil

Das Haus des Fauns

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts vor Christus wurde über verschiedenen abgerissenen Vorgänger bauten aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. das größte Haus Pompejis gebaut, es nimmt eine gesamte Insula ein mit einer Fläche von 2970 Quadratmeter. In diesem Haus ist alles einheitlich ausgestaltet mit Malereien und Stuckdekorationen des späten ersten Stils. Aus diesem Hause kommen die meisten und schönsten Mosaiken, die sich heute im Museum von Neapel ausgestellt sind. Es entspricht vielmehr einem hellenistischen Palast als einem Haus in Pompeji. Von den Ausmaßen und der prächtigen einheitlichen Ausstattung, die im Laufe von 150 Jahre nie mehr verändert worden ist. Ich vermute einen schnellen und überraschenden Aufstieg des Besitzers zu plötzlichen großem Reichtum. Von seiner ursprünglichen Pracht kann man bei der Besichtigung wenig erahnen, da die schönsten Mosaiken und Malereien bei den Ausgrabungen 1830 und 1832 entfernt worden sind. Die Stuckdekorationen und Wandmalereien die kostbare Marmorverkleidung vortäuschen sollten, sind bedauerlicherweise geradezu ausnahmslos zerstört, abmontiert von den bourbonischen Ausgräbern. In diesem Haus fanden einige Schaugrabungen im 19.Jh. für illustre Gäste, einer der berühmten war der Sohn Goethes August, nach ihm war lange Zeit das Gebäude benannt. Alle Wände des Hauses sind mit Malereien im ersten Stil gegliedert, genauer beobachtet sind die Wandkonstruktion neben den üblichen vier Stuckschichten, wobei die erste davon mit Keramik bestückt ist, auch Bleinägel in beträchtlicher Anzahl in die Mauer geschlagen sind, Vorsichtsmaßnahmen um die Feuchtigkeit von den Wandmalereien fernzuhalten.

Das Atrium wird durch eines der beiden zwei Geschäfte, die den Haupteingang flankieren, betreten. Das Impluvium ist mit farbigen Rhomben verkleidet und in Weißem Marmor eingefasst. In der Mitte steht eine Kopie der berühmten Statuette des tanzenden Fauns, gegenwärtig ist das Haus nach dieser Statue benannt. Vom Atrium wurde das Mosaik mit den tragischen Masken, die in einer Bordierung von Früchten und Blumen eingerahmt sind, entfernt. Und nach Neapel gebracht. Die Türen des Eingangs öffnen sich nach außen, um nicht zu beschädigen eine seltenen Aufbau, die Miniaturnachahmung eines Tempels mit vier kleinen korinthisch und Säulen eingerahmt von Löwen und Sphinx, wo einst der Hausherr das seltene Recht hatte, die Portraits seiner Ahnen aufzustellen. Vor dem Eingang in dem Bürgersteig steht auf den Fußboden die Inschrift salve, sie bedeutet „der Gast sei willkommen“.

Das Haus gliedert sich in verschiedene klar trennte Bereiche. Neben der klassisch strengen sukzessiven Anordnung der verschiedenen Wohnbereiche, Atrium, tablinum, Peristyl Hofer, und triclinium, findet sich im Haus des Fauns überraschenderweise einen zweiten riesigen Peristyl, dessen Funktion nicht ganz geklärt ist, er diente vermutlich repräsentative Zwecken. Rechterhand befindet sich ein bedeutender Diensttrakt mit eigenem Atrium, die pars rustica. Um das Atrium sind verschiedene kleine dunkle Schlafräume (cubicula) angeordnet, aus einem von ihnen stammt das Berühmte Mosaik wo eine Katze ein Rebhuhn frisst, aus einem anderen das bekannte Taubenmosaik. Im Tablinum besteht der Fußboden aus farbiger Steinplatten mit perspektivischem Würfel. An den Seiten des tablinums befinden sich zwei Durchgänge aus denen Rechts das Mosaik mit Pantherreiter und links eines mit verschiedenen Meerestieren stammen. Das Atrium der pars rustica mit vier Säulen hatte keine Mosaiken oder Malereien, hier wurden Schränke mit verschiedenen Küchengeräte gefunden. Das Haus hatte auch eine eigene kleine Thermenanlage, die von der Küche aus beheizt wurde.

Das erste große Peristyl weist 28 Säulen auf, die mit Stock überzogen sind und ionische Kapitelle zeigt. Dahinter befindet sich ein Raum, oft als exedra bezeichnet, aus dem das berühmteste aller Mosaiken, das Alexandermosaik, stammt. Dieses befindet sich jetzt im Museum von Neapel, es ist eines der Prunkstücke. Eine vergilbte Fotografie soll daran erinnern. Es ist falsch nach vorn zum Besichtiger aufgestellt, ursprünglich war es umgekehrt zum Eingang installiert, deshalb handelt es sich hier um einen Speiseraum (triclinium), die Mosaiken schauten zur Klinie des Hausbesitzers. Der zweite gigantische Peristylhof hat 48 dorische Säulen, ebenfalls mit Stock überzogen und ionische Kapitelle.

Es ist viel gerätselt worden, wer sich ein solch prächtiges Haus mit reichster Ausstattung leisten könnte. Es gibt verschiedensten Thesen: möglicherweise war es das Haus des Sulla oder seines Neffen, der beauftragt war die an Ansiedlung der Veteranen der zweiten Legion des Sulla in Pompeji durchzuführen und überwachen. Persönlich scheint mir das wahrscheinlich, da die großen römischen Adelsfamilien, zu denen auch Sulla gehörte, sich die Villen nicht nur am Land, sondernen auch in einer ländlichen Provinzstadt bauen ließen. Der Besitzer des Hauses muss in kurzer Zeit zu großem Geld gekommen sein um eine solche einheitliche und prächtige Ausstattung zu ermöglichen, nach dem Bau ist im Haus buchstäblich nie wieder ein Eingriff oder eine modische Anpassung der Ausstattung durchgeführt worden, außer kleinen Interventionen kann nichts mehr nachvollzogen werden. Das Haus wird über 150 Jahre weiterhin bewohnt, im tablinum wurde das Skelett einer Frau gefunden, die Versuchte ihrem Schmuck, Armbänder und Ringe mit eingesetzten Kameen, sowie 203 Sesterzen in Sicherheit zubringen. Weitere Skelette von vier Menschen und zwei Rindern wurden in der pars rustica gefunden. Ich bin der Meinung, dass es sich um das Haus eines Bauspekulanten handelt. Eine Legion bestand aus ca. 6000 Soldaten, die meisten mit Frau und durchschnittlich mit einem Kind, sowie einem Diener. Nach 20 bis 25 Jahren Dienst wurden die Legionäre von ihrem Feldherrn ausbezahlt und vom Dienst entlassen. Zumeist bestand die Auszahlung nicht nur aus Geld, sondern meist wurden ihnen enteignete Grundstücke von besiegten Rivalen oder in Ungnade gefallenen Familien zugewiesen. Ebenfalls in Pompeji war, nach dem verlorenen Bundesgenossenkrieg, wurde die Stadt den Osko-Samniter enteignet, der siegreiche Feldherr Sulla siedelte seine 6000 Legionäre samt Familie hier an. Nicht alle Legionäre wollten sich hier in Pompeji niederlassen, viele kamen aus verschiedensten Ländern des Reiches und hatten auch Gefallen an ihrer ursprünglichen Heimat. Sie verkauften ihre zugewiesenen Grundstücke um das Geld mit in ihre Heimat zunehmen. Möglicherweise war es der Erbauer dieses Hauses, der diese Transaktionen durchführte. Damit ist es erklärbar, wie ist möglich war, in kürzester Zeit ein Riesenvermögen zu verdienen. Kurz darauf versiegelt die Geldquelle. Das erreichte wird über Generationen hinweg erhalten, aber Umbauten oder Anpassungen durchzuführen war finanziell nicht mehr möglich.

Das Haus der Vettier

Das Haus der Vettier ist eigentlich ein völlig rekonstruiertes Haus das für das Publikum zur Besichtigung eines typischen römischen Haus angelegt worden ist. Jenseits des großen Andrangs in Hauptbesuchszeiten ist es eine interessantes mit sehr schönen Wandmalereien versehene Römische Domus. Am Eingang rechts ist das berühmte Bild des Gottes Priapos mit seinem überdimensionierten Phallus, eine Gottheit die für Vermehrung des Geldes und die Abwendung des bösen Blicks zuständig ist. Priapos wiegt seinen überdimensionalen Phallus mit einem Geldsack auf. Die Szene ist nicht im heutigen Sinne zu verstehen, deshalb darf es nicht wundern, dass sie sich direkt am Eingang eines reichen und angesehen Hauses befindet. Links im weißen Stuck des Einganges ist auch von jemand der Preis einer griechischen Prostituierten gekritzelt worden, der Preis entsprach zwei Krügen Wein. Die Besitzer sind bekannt durch ein bronzenes Siegel in einer Truhe an der linken Wand des Atriums und einer Amphora mit dem Namen der Besitzer, die Brüder A.Vetti Restituti. Die Vettier sind Emporkömmlinge der letzten Jahre in Pompeji, die im freigelassenen Status viel Geld verdient hatten und Zugang zu den höchsten Ämtern der Stadt bekamen. Ausgegraben wurde das Haus 1894 und sofort überdacht, die gesamte Ausstattung ist darum hervorragend erhalten geblieben. Die Fußböden des Hauses sind relativ einfach und weisen keine schöne Mosaike auf. Im Atrium stehen links und rechts je eine Geldtruhe gibt eisern geschlagen. Hervorragende Qualität weisen die Wandmalereien auf. Eroten in verschiedenen Aktivitäten sind das Lieblingsthema der Wandmalereien, Eroten mit Delfinen, kämpfende Eroten reiten auf Ziegenrücken, oder auf einem Krebs und einem Hummer. Im cubiculum linkerhand vom Eingang ist ein Fries mit Speisefische angebracht. Die pars rustica ist auf der rechten Seite um ein kleines Atrium gruppiert. Das Hausheiligtum (Lararium) besteht aus zwei korinthische Halbsäulen und einem Giebel mit verschiedenen Stuckreliefs, wie Opferschale, Messer und Stierschädel. In der Mitte steht ein Genius, der Beschützer des Hausherrn, um ihn tanzen zwei Laren, die Beschützer des Flures. Dem Genius brachte man an Geburtstagen des Hausherrn als Opfer Wein, Weihrauch, Früchte und Kuchen dar. Die Schlange ist ein positives Symbol der Fruchtbarkeit und Gesundheit. Die Penaten schützen das Haus und die Vorratskammer. Anschließend befindet sich die Küche, auf dem Herd befinden sich noch fünf Bronzenpfannen und verschiedenes Geschirr, hier stand auch die Statue des Priapos, die jetzt im hintersten Raum aufbewahrt ist. Die drei erotischen Malereien entsprechen jenen aus den Bordellen, sie sind Preislisten für verschiedene Liebespositionen. Es ist unklar warum sie der Koch hier aufmalen ließ, möglicherweise sind es seine Lieblingspositionen beim Besuch der Bordelle. Die Eule in der Nische soll das Unglück abwenden. Die schönsten Wandmalereien befinden sich im Raum rechts, nach Malereivorlagen rekonstruierten Garten des Peristylhofs. Beachten sollte die Originalausstattung mit Marmortischen, sowie die im Originalzustand befindenden Wasserleitungen und Röhre mit ihren Hähnen und Ventile. Im Mittelfries des Speiseraumes (triclinium), mit der wunderschönen zinnroten Farbe, sind Eroten und Psychen in verschiedenen menschlichen Tätigkeiten dargestellt: ironisch sammeln und transportieren Eroten und Psychen Rosen auf einem Ziegenbock, es folgt Herstellung von Parfüms und Verkauf duftender Öle, es folgt eine Zirkusszene, wo Antilopen die Zweigespanne der Eroten ziehen, sowie Szenen der Goldschmiedekunst. Am Ende ist der Produktionszyklus einer Tuchfabrik und die Weinlese mit dem Triumph des Bacchus gezeigt. Eroten und Psychen sind in normalen humanen Tätigkeiten mit Witz und Leichtigkeit charakterisiert, die Qualität ist außerordentlich gut, der römische Geschmack ist uns widerspiegelt. In einem Raum. des Peristylhofs sind die Bestrafung der Dirke und die Geschichte des Pentheus dargestellt. Diese Malereien sollten aus etwas Distanz betrachtet werden, um den Eindruck der Tiefenwirkung, der Malereien im vierten Stil zu bekommen, erreicht durch die Zufügung der Farben weiß und gelb.

Das Haus des Menander.

Das Haus des Menander ist 1930 bis 1931 ausgegraben worden, es gilt als gut erhalten und weist eine Fläche von 1800 Quadratmeter auf. Es entwickelt sich um einen großen Peristylhof. In diesem Gebäude wurde in einem kleinen Atrium, in einer Kiste verpackt, ein gewaltiges Silber Ensemble entdeckt, das Geschirr, Becher und Teller enthalten. Zusammen mit dem Fund der Villa von Boscoreale ist es der den größte Silberfund, der im Golf von Neapel aufgefunden wurde. Ein Tafel Service von 118 Stücken von insgesamt 24 Kilogramm Gewicht, darüber sind noch 1432 Sesterzen und 23 Denare aus Gold gefunden worden. Der Name des Besitzers wurde auf einem Bronzesiegel entdeckt, er hatte um vierzig n. Chr. das Amt eines Ädilen inne, die Familie war mit den der Gens der Poppeer, aus der auch die zweite Frau von von Kaiser Nero Sabina stammt. Die Malereien sind allesamt im vierten Stil gehalten, daraus wird geschlossen das Haus nach dem Erdbeben von 62 nach Christus gründlich erneuert worden sei. Das Haus war ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb in der Stadt mit zwei pars rustica und einem großen Garten, der frischen Salat und Gemüse lieferte.

Bäckereien

Bis heute kennt man in Pompeji an die 73 Bäckereien. Brot war eines der drei Grundnahrungsmittel, zusammen mit Oliven und Weinreben. Somit ist es verständlich, dass eine große Anzahl von Bäckereien in jeder römischen Stadt zu finden ist. Das Brot wurde bei den Römer erst seit dem zweiten Jahrhundert v. Chr. der breiten Masse allgemein gebräuchlich, zuvor wurde vor allem Mehlbrei verwendet. Anfangs wurde Brot im Haushalte selbst gebacken, langsam wurde die Produktion von professionellen Bäckern übernommen, die großen Mengen Brot herstellten. In einer Bäckerei findet sich mehrere konische Lavasteine in Form einer Sanduhr, (catillus). Diese wurden über von Esel fortlaufend gedreht und das Getreide gemalen. Die Mühlen sind aus porösen widerstandsfähigen Stein gebaut um das Mehl nicht zu verunreinigen. Daneben befindet sich der große Backofen, der sich von nichts von einem heutigen Pizzaofen unterscheidet, der Ofen wurde mit Holz geheizt. In einer Bäckerei fand man 81 verkohlte Brote, die uns Aufschluss geben über der Größe und die Machart des Brotes, sie unterscheiden sich kaum von den noch heute verwendeten süditalienischen Brotformen. In mehreren Räumen zu wurde das Korn gespeichert, es gab Räume mit Maschinen zum kneten des Brotes mittels Pedale bedient. In hinteren Räumen sind noch die Steinsetzungen für die Tische zu sehen, wo das Brot geformt wurde. Meist links vom Ofen wurde das Brot gelagert. Einige Bäcker hatten den Verkaufsladen vor der Bäckerei, viele hingegen verkauften das Brot auf der Strasse den Passanten oder im Großhandel. Bis heute sind in Pompeji keine große städtische Kornkammern zu erkennen, man nimmt deshalb an, dass die Bäcker das Korn direkt vom Lande bezogen.

CASA DEL MENANDRO

Das Haus des Menander ist eines der besten Beispiele für ein herrschaftliches Stadthaus. Es war über einen Zeitraum von ca. 300 Jahren bewohnt und wurde 1930/31 unter Prof. Maiuri freigelegt und konserviert. Wir betreten das Haus durch das schöne Portal mit den Pilastern und korinthischen Kapitellen aus Tuff.

Kurz zur Baugeschichte: Der ursprüngliche Kern ist dieses, aus Kalkstein errichtete Atriumhaus des tuskanischen Typs, das kurz nach 250 v.Chr. errichtet wurde. Das Haus wurde etwa 100 Jahre später umgebaut und modernisiert. Zu Beginn der augusteischen Zeit wurde das Haus grundlegend verändert und erweitert. Den nötigen Baugrund gewann man, indem man im Osten und Süden bestehende Häuser abriß. Es wurde ein Peristyl mit den dazugehörenden repräsentativen Räumen hinzugefügt. Im Osten entstanden Vorratsräume, Stallungen und Räumlichkeiten für den Verwalter und die Dienerschaft. Im Südwesten des Peristylhaus wurde ein Privatbad und der Küchenbereich mit einem Untergeschoss errichtet. Die Räume für die Dienerschaft und die Service-Räume waren für die Besucher nicht einsehbar. Alle Fußböden sowie Teile der Malerei sind in dieser Zeit entstanden.

Das Haus des Menander nahm mit fast 1.800 m² 2/3 der Gesamtfläche der Insula 10 ein.

Beim Ausbruch des Vesuvs 79 befand sich das Haus in einer weiteren Phase der Restaurierung der Dächer und der Dekorationen. Ein provisorischer Ofen in dem Raum links von der Tür und sechs Amphoren ohne Hals, die mit feinem Kitt gefüllt waren und im Küchenbereich gefunden wurden, weisen auf die Verputzarbeiten hin.

Nun zur Ausstattung: Der Boden des atriums besteht aus einfachem Signinum (Ziegelbruch mit eingelegten Kieselsteinen). Am Rand des compluviums wechseln Delphinköpfe mit Palmetten ab. Das große, rechteckige impluvium aus Marmor mit den schön modellierten Rändern gehört zur gleichen Periode wie die Wandmalereien des IV. Stils.

Das lararium, das Heiligtum der Hausgötter, ist als kleiner Giebeltempel gestaltet und steht auf einem hohen Podium. Gitter schützten die Kultstatuetten. Die große Zahl der Lararien und ihre oft prächtige Ausstattung, zeugen von der Bedeutung der Privatreligion. Die drei Räume auf dieser Seite waren ein Abstellraum, ein Raum für die Dienerschaft und ein Cubiculum mit einem Fenster zum dahinterliegenden Oecus. Die Türen dieser Räume wurden niedriger gemacht, als darüber ein Obergeschoß aufgesetzt wurde. In dem Raum neben der Tür befindet sich die Treppe, die zu den Räumen oberhalb der Vorderfront führt. Es handelt sich um das seltene Beispiel einer gemauerten Treppe, die auf Bögen aus wiederverwendetem Material errichtet wurde. Im Allgemeinen waren die Treppen aus Holz mit einem Sockel aus Mauerwerk. Der kleine Raum neben der Tür (1) war für den Torwächter bestimmt. Im Atrium wurde meist die Schatztruhe des Hauses – entweder aus Eisen, oder eine eisenbeschlagene Holzkiste, die fest verankert war – aufbewahrt. Die geschlossenen Außenwände und die gut zu verriegelnden Türen boten ein gewisses Maß an Sicherheit. Trotzdem berichtet Plinius d.Ä. über viele Einbruchdiebstähle.In diesem Raum (4), der mit einem Vorhang verschließbar war, sind auf den roten, senkrecht unterteilten Wänden kleine weiße Ansichten eingefügt, in deren Zentren homerische Szenen vom Untergang Trojas erzählen. Rechts Laokoon und seine Söhne, die von Schlangen stranguliert werden. Hinter ihm das Stieropfer. Links, in den detailreich gestalteten Szenen im Palast des Priamos klammert sich seine Tochter Kassandra an das Palladium, um nicht von Odysseus (kegelförmiger Hut) entführt zu werden. Menelaos ergreift seine Frau Helena an den Haaren. An der hinteren Wand versucht Kassandra ohne Erfolg, das Hineinführen des Trojanischen Pferdes in die dem Untergang geweihte Stadt zu verhindern. Der Korridor (10) auf der rechten Seite wurde zu einem gemauerten Schrank umgeformt. Darin wurde eine größere Zahl von Bronzeteilen, die zu zwei Betten gehörten, gefunden, sowie ein Speiseservice mit 16 Tellern.

Der Eingang zum tablinum wird von zwei korinthischen Tuffsäulen gerahmt, die nach 62 mit Stuck überzogen und bemalt wurden. Dieser zentral gelegene Raum war Empfangszimmer und Arbeitsraum. Hier empfing der Hausherr seine Clientes, die auf den steinernen Bänken vor dem Haus warteten, bis sie vorgelassen wurden. Der Raum war entweder durch einen Vorhang, oder durch eine hölzerne Falt- oder Schiebetür abgeteilt.

Nach außen öffnet sich das Tablinum auf das große, lichtdurchflutete Peristyl hin. Es ist auf allen vier Seiten von kannelierten Säulen mit spätdorischen Kapitellen, die mit weißem Stuck überzogen sind, umgeben. Das Grundprinzip der Architektur war die beabsichtigte Symmetrie und Axialität der Räume, die so einen Durchblick durch eine Folge von schattigen Zimmern und hellen, sonnigen Freiräumen schaffte. Die Achse des Peristyls ist hier im Verhältnis zu der des Atriums durch die spätere Erweiterung verschoben.

Das peristyl hat eine unregelmäßige Kolonnade, deren Säulenzwischenräume sich nach der Breite der Räume richten, die sich zum Peristyl hin öffnen. Eine niedrige Mauer verbindet die Säulen, sie ist nur vor dem Tablinum unterbrochen, und vor dem Eingang zum großen Triclinium wird sie durch ein Gitter ersetzt. Die Flächen dieser Mauerschranken sind innen mit Sträuchern, blühenden Pflanzen, Vögeln und Jagdszenen dekoriert. Auf den Säulenschäften sind Efeu- und Oleanderpflanzen aufgemalt. Die Bilder aus der Natur erweitern so den Garten, der um die piscina gruppiert ist. Der Garten wurde durch Plastiken, Statuen und Marmorschalen belebt. Links und rechts öffnet sich ein oecus. Rechts einer der seltenen grün ausgemalten Räume in Pompeji. Er ist mit feinen Malereien der 1. Phase des IV. Stils geschmückt. Schwarze, vertikale Streifen mit Arabesken unterteilen die Wände. In den Spiralen des Rebstockes, der aus einer Vase am Boden herauswächst, tummeln sich fliegende Amoretten. An den Seitenwänden sind in ovalen Medaillons Abbildungen im Profil, die von Sphingen mit doppeltem Körper gerahmt werden, sowie Rebschößlinge mit Vögeln und Musikinstrumenten dargestellt. Der rote gemalte Fries erzählt auf humorvolle Art die Hochzeit des Lapithen Perithoos, und den sich daraus entwickelnden Raub der Frauen durch die Kentauren.

Der Fußboden ist ein musischer Teppich. Weiße, schwarz umrahmte Kästchen, umgeben ein Emblem in opus vermiculatum, das von Flechtwerk umschlossen und in Terrakotta eingelegt ist. Es stellt Szenen einer Nillandschaft dar: Villen mit Portiken, Palmen längs des Ufers und ein luxuriöses Schiff, das von drei Pygmäen gerudert wird und mit einem Steuermann besetzt ist.

Diese Wandgemälde und Mosaike hatten nicht nur die Funktion, wie sie in der heutigen Zeit Bilder und Teppiche haben, sondern waren in die Gesamtkomposition des Raumes einbezogen, in dem es nur wenige Möbel gab. Außer den Betten, die höher waren als die unseren, und Klinen gab es auch – wegen der Enge der Räume – meist nur noch kleine Tische und Schemel, Lampenständer und im Winter Kohlepfannen oder Heizöfen aus Eisen oder Bronze. Der Korridor an der Ostseite führt zum Bad- und Küchentrakt.

Das Bad wurde gegen Ende der republikanischen Zeit oder zu Beginn der Kaiserzeit gebaut. Im Jahre 79 war man noch mitten im Wiederaufbau. Nur das Caldarium war fertiggestellt; sein Heizungssystem war völlig verändert worden, indem man den Ofen vom Untergeschoss in den ersten Stock verlegte. Das Bad besteht aus drei Räumen.

Dieses abgeschlossene kleine Atrium, wird von 8 stuckierten und bemalten Backsteinsäulen getragen, die auf dem Impluvium stehen. Es diente als Vorhalle zum Bad. Auf dem, von der alexandrinischen Malerei inspirierten Fries wurden die olympischen Götter respektlos karikiert. Auf dem Fragment an der rechten Wand sieht man Theseus, der den Minotaurus tötet. (An der Eingangswand ist Venus als behaartes, hässliches Weib dargestellt, die ihren Sohn auffordert, einen Pfeil abzuschießen.?) Die verzierten Ränder des Impluviums kontrastieren mit dem Schwarz des Fußbodens.

Der Mosaikfußboden im daneben liegenden apodyterium hat sich größtenteils erhalten. Die Zwischenmauer zum kleinen atrium war schon abgebrochen.

Das caldarium mit hypocaustum ist das eleganteste Privatbad, das bis jetzt in Pompeji ausgegraben wurde. Der apsidiale Raum mit geriefelter Stuckdecke misst nur 2,30 x 3,75 m. Das Bodenmosaik stammt noch aus der Zeit der späten Republik. Am Eingang ist ein Diener mit Myrthenkranz dargestellt, der zwei oskoi in den Händen hält. Aus seinem Lendenschurz ragt der erigierte Phallus hervor. Um das Medaillon mit dem Akanthusstrauch und Vögeln schwimmen Fische, Delphine und ein Krebs, sowie eine negroide ithyphallische und eine ähnliche Figur, die mit einem Dreizack auf ein Meerungeheuer Jagd macht. In der kleinen Apsis befand sich das Labrum. Die Wanne mit heißem Wasser stand an der Nordseite. Die Bemalung in der Apsis im II. Stil zeigt über einem Sockel mit Flusslandschaften einen Fries mit monochromen Frauengestalten und Victorien, darüber Badeszenen. In der Lünette des Gewölbes befindet sich eine weibliche Figur, deren Körper in einer Pflanze endet.

In den grünen, unterteilten Wandfeldern über der schwarzen Sockelzone sind Athleten bei ihren Übungen dargestellt. Diese Malereien gehören dem IV. Stil an.

An das Bad schloss sich das Solarium an, eine Terrasse, auf der man geschützt Sonnenbäder nehmen konnte.

Eine Treppe führt ins Untergeschoss, wo sich Vorratsräume und eine Latrine (26) befanden, ferner die Küche. Sie waren im allgemeinen recht eng und primitiv, mit einem kuppelförmiger Ofen ohne Kamin, so dass der Rauch durch die Fenster entweichen musste. Auf der gleichen Ebene befand sich der Zugang zu einem kleinen Nutzgarten (hortus), der das tägliche Gemüse und die Küchenkräuter lieferte. In einem Korridor im Untergeschoss wurde 1930 bei den Ausgrabungen unter Maiuri der berühmte Silberschatz gefunden.

Der Schatz befindet sich heute im Nationalmuseum von Neapel. Er war wegen der Instandsetzungsarbeiten dort versteckt worden war. Die 118 Teile silbernes Tafelgeschirr, mit einem Gewicht von über 24 kg, bestehen aus Gefäßen, Platten und Bechern, mit reliefartig ausgearbeiteten figürlichen Darstellungen. Der Schatz war in einer genagelten Holzkiste verpackt, wobei jedes Stück einzeln in grobes Leinen gewickelt war. Die Sammlung aus verschiedenen Epochen, deren Formgebung auf hellenistische Tradition hinweist, gehört zu den schönsten Arbeiten der antiken Metallbildkunst. In einem eigenen Schmuckkästchen lag schwerer Goldschmuck und Münzen. An der Wand der Südseite des Peristyls öffnen sich zwei rechteckige und zwei apsidiale Nischen. In der exedra rechts (25) haben sich Malereien des II. Stils erhalten, Bögen, dahinter ein Pinienwald mit alten Bäumen und Vögeln, beschienen von einem eigenartigen Licht. An der rechten Wand mit der kleinen Nische befand sich der Hausaltar mit den Ahnenbildern, den imagines maiorum, für die die Römer eine besondere Verehrung empfanden und die bei offiziellen Anlässen und bei Begräbnissen der Familie mitgetragen wurden. Durch das Ausgießen mit flüssigem Gips konnte man die fünf Skulpturen aus Wachs oder Holz, deren Formen sich in der erhärteten Asche erhalten hatten, wieder gewinnen. Es handelt sich um einen jugendlicher Lar und vier kleine Porträtbüsten. Es sind dies die einzigen imagines maiorum, die man in Pompeji rekonstruiert hat.

In der folgenden, apsidenförmigen Nische steht in einer weiten Landschaft mit Portikus die Statue der Venus und des Eros, die sehr lebendig dargestellt sind. Die gesamte Dekoration dieses Hauses im II. Stil wird derselben Werkstatt zugeschrieben, die auch in der Casa del Criptoportico gearbeitet hat.

In der zentralen, rechteckigen Wandnische ist auf der rechten Seite der griechische Komödiendichter Menander, lorbeerberbekränzt, nachdenklich sitzend, mit einer Schriftrolle eines seiner Werke in der Hand, dargestellt. Sein Name steht, oder stand in lateinischen Buchstaben unter dem Sessel und als Überschrift auf der Rolle. Dieser Abbildung, die dem Haus den Namen gab, war auf der linken Wandseite wahrscheinlich ein tragischer Poet gegenübergestellt. Links an der Rückwand befinden sich satirische und tragische Masken, die häufig in der pompejanischen Wandmalerei auftreten. Die folgende apsidiale Nische ist wieder mit einer Landschaft geschmückt, in der der Jäger Aktaion auf Geheiß der Diana von seinen Hunden angefallen wird.

Das cubiculum daneben mit doppelter Bettnische wurde in der letzten Zeit verändert. Vier Wandregale längs der drei Wände lassen darauf schließen, dass hier die Bibliothek des letzten Besitzers eingerichtet war. Im Fußboden befindet sich ein Mosaik einer erotischen Begegnung zwischen einem Satyr und einer Mänade, die von einem kleinen Pan beobachtet wird.

Oecus: In diesem Raum befinden sich einige der Körper der Menschen, die beim Ausbruch des Vesuvs in diesem Haus den Tod gefunden haben. Bei ihrem Anblick stellt sich die Frage, was wir unter den gleichen Umständen getan, und welchen Fluchtweg wir gewählt hätten. Die instinktive Reaktion gegenüber einer Gefahr ist die Flucht, sich so weit wie möglich vom Ursprung einer Gefahr zu entfernen. Bei dieser spontanen Handlung ist das Denken nicht oder nur bedingt beteiligt. Um dem Feuerregen so schnell wie möglich zu entfliehen, holten die Pompeianer ihre Pferde und Lasttiere aus den Ställen und ritten davon. Ein Beweis dafür, dass man sich aller Tiere, die zum Reiten taugten, bemächtigte, ist, dass man keine Tierkadaver von ihnen gefunden hat. Auch von dem mit Amphoren beladenen Karren im Hof dieses Hauses vor dem Lieferkanteneingang waren die Zugtiere abgespannt. Die Unglücklichen, die nicht fliehen wollten oder konnten, kamen ums Leben. Meist wurden sie von den Fluten flüssiger, schlammiger Lava bedeckt, die sich allmählich erhärtete und sich abkühlte, bis sie eine Art steinerne Schale bildete, in der sich der Körper zersetzte und einen Hohlraum ergab. 1864 erfand der Ausgrabungsleiter Giuseppe Fiorelli eine Methode, diesen Hohlraum mit flüssigem Gips auszugießen, der sich erhärtete und die Gestalt des Körpers genau wiedergab. Dabei wurden sogar die Umrisse der Bekleidung sichtbar und auch der gequälte Gesichtsausdruck ist erhalten geblieben. Ob es sich bei den zwölf Toten, die in diesem Bereich des Hauses ums Leben kamen, um Sklaven auf der Flucht, oder um Schatzgräber, die kurz nach der Katastrophe ins Haus eingedrungen waren, handelt, gehen die Meinungen auseinander. Auch darüber, ob das Loch in der Wand zum daneben liegenden Triclinium auf der Flucht, oder auf der Suche nach einem Schatz in die Wand geschlagen wurde.Die Dekorationen auf den gelben Wänden gehören zu einem zarten IV. Stil mit feinsten Details, wie die Mänaden und Silenmaske mit dionysischen Attributen in den Lauben, die Volutenakrotere und der Fries oben mit Miniaturmalerei. In die zentralen Paneele sind Bilder eingefügt, rechts ein Satyr, der die Flöte spielt mit einer Nymphe. Das triclinium ist mit seinen 87,5 m² und einer Höhe von fast 8 m das größte in Pompeji. Die Dekoration ist im gleichen Stil gehalten, wie in dem vorhergegangenen gelben Oecus. (Man sieht drei Räume (?), die zum darunter liegenden Haus gehörten, das im Zuge der Erweiterung mit einbezogen wurde, mit schönen Beispielen von polychromer Malerei des I. Stils und dem Fußboden in opus signinum aus der Zeit vor der Koloniegründung.) Oberhalb des Daches des Peristyls ist das einzige Fenster mit Tympanon angebracht. Die kleinen seitlichen Eingänge waren für die Dienerschaft zum Servieren. Die drei Klinen standen – wie üblich – U-förmig aufgebaut eng zusammen. Außen öffnen sich die Mauerschranken des Peristyls als Zugang zur Pergola (Sommertriclinium ?) und dem Wasserbecken im Zentrum des Gartens.Peristyle wurden in Pompeji ab dem 2.Jh.v.Chr. angelegt. Sie kamen aus dem hellenistischen Kulturraum; der freie Raum hatte dort jedoch Mosaikfußböden, während in Pompeji an deren Stelle meist Gärten angelegt waren. In den letzten Jahren ist man dazu übergegangen, nur die Bäume und Büsche anzupflanzen, die nach einer genauen Untersuchung des Schutts nach Samen und Wurzeln und der Analyse der antiken Gemälde zur damaligen Zeit dort gewachsen sind.

Der gewölbte Korridor daneben führt zu einem isolierten cubiculum. Die Paneele sind schwarz, rot, und gelb bemalt mit kleinen Abbildungen von Tieren im Zentrum. Die einfache, volkstümliche Darstellung der Ornamente und der lebhafte Kontrast der Farben, machen eine Ausmalung kurz vor 79 wahrscheinlich. Die Dekoration des oecus ist in einem aufwendigen IV. Stil, der dem Typ des Tricliniums und des gelben Oecus entspricht, ausgeführt, mit schwebenden Figuren in den seitlichen Paneelen und (schlecht erhaltenen) Szenen mythologischen Inhalts im Zentrum. Der Fußboden aus Schiefer ist älter als die Wanddekoration.

Der Versorgungsteil des Hauses und die Wohnräume der Sklaven, liegen im Osten hinter dem großen Triclinium. Der einzige Eingang führt von der Bibliothek links eine Rampe hinunter. Linker Hand befinden sich einige Vorratsräume. Rechts führt die Tür in einen kleinen Hof, der an drei Seiten von einem Portikus mit Pilastern aus opus mixtum umgeben war. Hier waren die Ställe für die Last- und Zugtiere und die Wagenremise untergebracht. Über den Ställen lagen Schlafräume für die Bediensteten. In dem gestampften Boden des Hofes befand sich eine Klärgrube, eine halbkreisförmige Tränke und die Zisterne. Ein breiter Torweg verband den Hof mit dem daneben liegenden Gäßchen. Rechts waren 43 leere Amphoren längs der Wand gestapelt. Auf dem Hof hat man ein Cisium, einen leichten Wagen mit eisenbeschlagenen Rädern und Wagenkasten gefunden. Von den Zugtieren fand man keine Überreste, es fand sich nur das Skelett des Wachhundes. Entlang der Ostfront des Hauses befanden sich Lagerräume, die Latrine und der Wohnteil der Sklaven, deren Schlafräume sich auch im darüberlegenden Stock befanden.

Fünf Räume am Ende dieses Traktes bildeten die Wohnung des Verwalters. Auch in diesem Teil des Hauses waren Umbauarbeiten im Gange, wie dort deponiertes Baumaterial beweist. Diese Räume erhielten Tageslicht durch ein Atrium. Außer wertvollen Bronzegefäßen bewahrte der Verwalter auch landwirtschaftliche Gerätschaften, wie Sicheln, Messer und andere Instrumente auf, darunter 15 Hippen in verschiedenen Formen, die uns Einzelheiten über die Entwicklung und die Methoden der landwirtschaftlichen Arbeiten, besonders des Weinbaues, liefern. Auf einem niederen Podium befand sich eine Feuerstelle, wo auf einem Dreifuß noch die Reste der letzten Mahlzeit gefunden wurden. Der Prokurator wurde in seinem Cubiculum zusammen mit einem kleinen Mädchen tot auf dem Boden aufgefunden. Es wurde ein Bronzesiegel mit der Gravur „QUINTUS POPPAEUS“ gefunden. Dieses Siegel gibt uns Aufschluss über den Namen des letzten Besitzers, der vielleicht ein Verwandter der Poppea, der Frau des Kaisers Nero, war. Dieser reiche Patrizier war nicht nur Grundbesitzer, sondern muss auch – wie die Ausstattung seines Hauses, die Bibliothek und der wertvolle Silberschatz zeigen – einen ausgewählten Geschmack und Bildung besessen haben.

CASA DEI CEII

I 6,15

Der Gründungsbau stammt aus der zweiten Hälfte des 2.Jh.v.Chr. Die Ausgrabungen wurden zwischen 1913 und 1922 ausgeführt. Die schlichte antike Fassade mit dem Architrav, einer Zierleiste mit Zahnschnitt und Würfelkapitellen – typisch für die samnitische Zeit – ist mit Stuck aus imitiertem opus quadratum überzogen. Der Eingang zum Haus war auch damals durch ein Vordach geschützt, das heute wiederhergestellt ist. An die Fassade des Hauses sind neun Wahlplakate gemalt, alle mit verschiedenen Namen. Davon wählte man das letzte mit dem Namen L.CEIUS aus, um das Haus nach ihm zu benennen. Insgesamt hat man in Pompeji 73 Wahlempfehlungen für den wahrscheinlichen Besitzer dieses Hauses, die ihn für ein öffentliches Amt propagieren, gefunden. Die hohe, zweiflügelige Türe ist eine Fenstertüre, in die Metallstäbe eingelassen sind. Ein Teil über der Eingangstüre war offen. Die wiederhergestellte Decke des vestibulums ist zwischen den Balken mit vier gemalten Dekorbändern geschmückt. Die in Sockel-, Mittel- und Oberzone gegliederten Wände wurden um 50 n.Chr. bemalt. Die pinakes in der Oberzone zeigen einen Hasen, der von einem Hund verfolgt wird und eine Votivsäule, links und rechts davon Vogelstillleben. Über der Eingangstüre zwei Finken und Früchte. Die zweite Türe mit drei Flügeln führt zum atrium tetrastylum, dessen vier Säulen die Bedachung tragen. Das Impluvium besteht aus Fragmenten von Amphoren. Später wurde es restauriert und mit Marmorplatten längs der Borde umgeben. Im Zentrum des impluviums steht ein Marmor-labrum mit verschiedenen Tierköpfen, wie Widder, Stier, Löwe, Panther, Hund und Eber als Wasserspeier. Bisher hat man kein vergleichbares Stück gefunden. Die Wände des Atriums, die sich jeweils mit den gegenüberliegenden entsprechen, wurden während der Neudekoration des Hauses vor der Mitte des 1.Jh.n.Chr. mit Malereien des späten III. Stils versehen.

Bei Ausbruch des Vesuvs war man gerade dabei, über dem tablinum ein erstes Stockwerk mit Balkon in opus graticium, Fachwerk aus einem Netz von Holzbalken mit Auffüllung durch Mörtelmauerwerk, zu errichten. Unter der Treppe sind 11 Öllampen in Terrakotta und eine Bronzelaterne gefunden worden. An der Vorderseite des Hauses wurde an der Fassade entlang ein weiterer oberer Stock, der nicht mit dem Inneren in Verbindung stand, als Unterkunft für die Dienerschaft errichtet. Er war durch eine Treppe über die Latrine mit Senkgrube, in der Küche erreichbar. In dieser Küche wurde eine noch intakte Handmühle gefunden. Sie war ursprünglich ein Cubiculum und zeigt Reste von Malerei, eine Sakrallandschaft und einen Kranz. In diesem cubiculum wurde die Dekoration durch das Einfügen von zwei Fenstern unterbrochen. Auf dieser Wand befindet sich ein kleines Bild mit einer Dichterin und einer Leierspielerin. In den Wandfeldern daneben zwei schwebende, geflügelte Eroten. Bemerkenswert ist das Spiel des Lichts in dem Fries mit den Metallgefäßen des Stilllebens. Die lebhafte Farbgebung, das einfache Ornament, und die bewegte Architektur an den Seiten sind Hinweise auf den Ausklang des III. Stils. (In der Südostecke des Atriums ist ein Holzschrank in seinen ursprünglichen Formen in Gips ausgegossen.). Das tablinum war für die neue Dekoration vorbereitet, nachdem die Decke für die Errichtung des neuen Stockes abgenommen worden war. In der Mitte des Fußbodens in opus signinum, mit einem Netzmuster, ist ein Emblem aus wiederverwendeten, rhombenförmigen Fliesen angebracht. Es ist von einem schwarz/weiß Mosaik mit aus Krateren herauswachsenden Rebzweigen und einem Flechtband umgeben.

In diesem triclinium ist die Malerei in drei Zonen gegliedert. Dazwischen befinden sich zwei Fries-Zonen, die wie eine Predella wirken. An der linken Wand, in der Mittelzone befindet sich ein jugendlicher Bacchus mit Thyrsos-Stab. Das Himation ist um die Hüfte geschlungen und in der Hand hält er eine große Traube. Der Panther darunter ist nur noch in den Konturen zu erkennen. Daneben schwarze Paneele mit Vögeln und in den roten Aediculas zarte, herabfallenden Rebzweige. Darüber in der oberen Wandzone eine Tholos zwischen Kandelaberbäumchen, deren verbindende, zarte Triebe von Vögeln mit ihren Schnäbeln gehalten werden. An der gegenüberliegenden Wand, als Pendant, eine Mänade mit langer Fackel. Zu diesen Motivkombinationen, die noch durch die Farben betont werden, gibt es in der Malerei des späten III. Stils keine Parallelen. Im Fußboden aus Lava-Estrich ist ein Emblem in Würfelform aus verschiedenfarbigem Marmor in opus sectile eingefügt. Auf dem schwarzen Sockel links vom Eingang des tablinums an der Gartenseite befinden sich einige Graffiti, zwei Gladiatorenpaare mit ihrem Namen und der Anzahl ihrer Siege.

Der Fußboden in diesem cubiculum ist ein schwarz/weiß Mosaik mit einem Schwellenmosaik und einem Mittelemblem. Die Malerei ist ein weiteres Beispiel für die Extravaganz der III. Stilrichtung. Wir sehen Büsten von Satyrn und Mänaden, die aus Vorhängen hervor schauen. Andere Büsten sind in Medaillons in kontrastierende Farben eingerahmt. In der Mittelzone befinden sich Peplos-Figuren und zartes Blattwerk. Im mittleren Feld der hinteren Wand, welche schon von antiken Ausgräbern durchbrochen worden war, ist Apollo sitzend neben eine Kitharistin und einer Muse, die den Klängen lauscht, dargestellt. Wir kommen nun zum letzten Teil des Hauses, dem viridarium. Die Mauern dieses Lustgartens sind großartig bemalt. Um diese Malereien zu schützen, wurde es 1980 überdacht.

Von den vielen Malerwerkstätten in Pompeji ist uns keine namentlich bekannt. Wahrscheinlich waren sie in Gruppen mit einem Meister und Gehilfen organisiert. Sie waren in zwei Kategorien unterteilt, in die Bildermaler, die das Doppelte verdienten und die Wandmaler. Das Bild der Nordwand, die bis in eine Höhe von über 6 m erhalten ist, wird oben und an den Seiten von Intarsien und Waffenteilen gerahmt. Zwischen Schilden steht rechts und links eine Opferdienerin mit Chiton und Peplos. Unten sitzen geflügelte Sphingen auf einem Podest. Auf dem Kopf sitzt der Kelchabschluss des Labrums. Hinter den Sphingskulpturen wachsen Oleanderbüsche. Busch- und Blattwerk bilden auch den unteren Abschluss.

Die großen Tierlandschaften wurden in Pompeji ausschließlich an viridariums- oder Peristylwände angebracht. Auf diesen Paradies-Darstellungen sind keine Menschen abgebildet. Es handelt sich also nicht um herrschaftliche venatio (Tierjagd), sondern um exotische Tierlandschaften. Im oberen Bildfeld befinden sich links ein Eber, ein Hirsch und eine Hirschkuh. Rechts jagt ein Tiger oder Leopard zwei Bergziegen nach und in der dritten Dreiergruppe stehen sich ein Eber und zwei Wölfe gegenüber. Die obere Malerei ist eine in allen Teilen aufeinander bezogene Komposition, in die die darunterliegende Jagdszene, in der der Löwe den Stier schon fast eingeholt hat, nicht einbezogen ist. Wahrscheinlich sind hier zwei Bildvorlagen übereinandergelegt worden. In der Mitte sind die Löcher für die Gerüstbalken für die Malerarbeiten zu sehen. An der Südwestwand (links von den Pygmäen) befindet sich im Zentrum eine Nymphenstatue auf einer Rundbasis. Sie hält eine große Schale in den Händen. Neben ihr rechts und links ein Oleanderbusch mit einem Käuzchen und einer Taube. In der oberen Zone ein Pfauenpaar in einem lichten Oleandergebüsch. Über einem Kandelaber fliegen zwei Schwalben. Die Nymphe bildet das Pendant zu der geflügelten Sphinx auf der anderen Seite, ein Beispiel für das Zusammenspiel von Malerei und Architektur.

Die Malereien an den Seitenwänden zeigen Landschaften am Nil. An der Westwand ist eine Nillandschaft mit Pygmäen dargestellt. Wandfüllende Pygmäenlandschaften haben sich in Pompeji sonst nirgends erhalten. Rechts ein Hörneraltar, ein Pygmäenpaar, darüber am Wasser ein Nilpferd, auf dem ein Pygmäe steht. In dem darüberliegenden, nicht mehr gut zu erkennenden Teil des Bildes schwimmt ein Krokodil und weiter oben ist ein Schiff mit einem Bug in Form eines Eselprotoms, das Amphoren transportiert. Auf der linken Seite Gruppen von Pygmäen, teilweise zum Kampf gerüstet, mit Schild, Wurfspeer und Steinbrocken in den Händen.

Die Ostwand ist auf der linken Seite durch einen Schild, eine Akanthusranke, eine Amphore und den darunter wachsenden Strauch gerahmt. Rechts davon befinden sich Heiligtümer in ihrem charakteristischen ägyptischen Stil entlang den beiden Ufern des Flusses, der die Landschaft durchfließt. Über dem großen Fenster rechts zeigt sich ein sakraler Bezirk mit mehreren Personen vor einer zinnenbewehrten Mauer. Links schiebt sich eine Halbinsel ins Gewässer mit einer Frau mit einem Stock und einem sitzenden Paar. Daneben ein Hörneraltar, darüber ein Vier-Säulen-Pavillon und rechts, halb verdeckt, ein Segelboot mit gerafften Segeln. Rechts vom kleinen Fenster ein Priapos mit Hut und Bart. Links vom großen Fenster, nur noch schwach sichtbar, ein aufgestelltes Pinax und Früchte. Rechts vom großen Fenster ein Hirte im Kapuzenmantel und einem knorrigen Stock.

CASA DEL CRIPTOPORTICO

Das Haus zeigt sich heute auf den ersten Blick abgewirtschaftet und schmucklos. Es trug beim Erbeben 62 schwere Schäden davon. Ursprünglich war es mit dem Nachbarhaus, der CASA DEL SACELLO ILIACO verbunden und bildete eine weitläufige Wohneinheit mit zwei Atrien, einem Garten mit einem Portikus mit Bögen und Pilastern. Die Erdstöße hatten diesen Gebäudekomplex so stark beschädigt, dass man sich zu einer kompletten Wiederherstellung entschloss. Zur Zeit des Vesuvausbruchs war diese Umstrukturierung im Gange. Die Restaurierung der Mauern war schon abgeschlossen. In die Außenmauern längs des Privatweges an der linken Seite der Fassade in opus incertum aus samnitischer Zeit, waren Reihen von Ziegelsteinen in die entstandenen Breschen eingefügt worden.

Ausgegraben wurde das Haus in den Jahren 1910-1923 vom damaligen Ausgrabungsleiter Spinazzola.

Innen: Die Erneuerung der Wanddekoration ist aber nur bis zum Stadium des Grobverputzes gediehen, mit Ausnahme des larariums. Es nimmt die ganze Wandbreite ein und zeigt rechts die Unheil abwehrende Schlange in einem zarten Gebüsch. Auf der mit Blüten übersäten Wand tummeln sich Schmetterlinge, Vögel und ein Pfau. Links windet sich eine kleine Schlange zu einer Nische hoch, in der sich die Büste Merkurs befindet. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass man sich in dieser ökonomisch schwierigen Zeit an den Gott Merkur wandte. Die Treppe an diesem, kleinen, zweiseitigen peristyl mit den stuckierten Ziegelsäulen führt zum überdeckten Solarium mit triclinium, das im Schatten der Pergola in den alten Bogengang eingebaut ist. Das Podium der Klinen, in deren Mitte ein runder Tisch steht, ist mit Pflanzen und Vögeln bemalt. Links führt die Steile Treppe nun zum Kryptoportikus. Der Kryptoportikus, von dem das Haus den Namen trägt, wurde erst nach dem Erdbeben angegliedert. Auch diese Treppen wurden erst nach dem Erdbeben angelegt, als dieser Teil vom daneben liegenden Haus getrennt wurde. Die Galerien des Portikus’ waren zu zerstört, um sie in ihrer alten Schönheit wiederherstellen zu können. Sie wurden mit Abbruchmaterial aufgefüllt und mit transversalen Mauern verschlossen. Nur dieser rechte Arm wurde als Weinkeller benützt. Hier wurden ca. 60 Amphoren gefunden. Es war also die Vorratskammer für das darüber liegende Sommer-Triclinium. Es ist ein Glücksfall, dass der Kryptoportikus als Lagerraum benutzt und daher nicht neu dekoriert wurde, so haben sich die originalen Malereien, wenn auch in keinem guten Zustand erhalten. Sie waren schon über 100 Jahre alt, als sie vom Aschenregen verschüttet wurden. In samnitischer Zeit war dies ein offener Portikus in einem Garten. In römischer Zeit wurde er bis auf die Fenster geschlossen und durch die gleichzeitige Anhebung des Geländes bis in die Höhe der Fenster wurde der Portikus zum Kryptoportikus. Die Decke wurde durch ein Tonnengewölbe niedriger gemacht und mit Stuckreliefs ausgestaltet. An der Kante des Bogens an der Nordwestecke hat sich als seltenes Beispiel eine Gewölberippe intakt erhalten. Die Kassettendecke bestand aus ineinander verwobenen Zeichnungen aus quadratischen, rechteckigen, sechseckigen und rhombenförmigen Kassetten, die auch sternförmig angeordnet waren. Ausgefüllt waren sie mit florealen Motiven und dekorativen Waffen. Die Stuckverzierung bedeckt nur noch wenige Stellen des Gewölbes und lässt große Teile des opus incertum frei.

In diesen Vitrinen befinden sich die Gipsabgüsse von fünf der acht Opfer, die zuerst in dem Kryptoportikus Zuflucht gesucht hatten und dann auf der Flucht in dem darüber liegenden Garten unter den Lapilli begraben wurden. Darunter ein Kind, das im Schoße seiner Mutter Schutz suchte und der zusammengekauerte Körper eines Mannes, um dessen Füße sich zwei große eiserne Ringe schlossen. In den Malereien der Wände im II. Stil ist die gleiche Suche nach Plastizität wie bei den Stuckreliefs festzustellen. Der Sockel ist mit einem perspektivischen Meander verziert. Hermen als Satyrn und Mänaden stehen vor imitierten Marmorsäulen. Ihre Köpfe stützen das vorkragende Gesims, auf das das Gewölbe aufgesetzt ist. Sie sind durch verschiedenartige Girlanden miteinander verbunden, die über die unterteilten Wandfelder verlaufen. Über den Girlanden befindet sich ein Fries mit polychromen Marmorplatten. Darüber befindet sich ein fortlaufender Fries, der nur durch die Hermen und Lichtöffnungen unterbrochen wird. Er stellt in über 50 Episoden den Zyklus der Ilias von Homer und nachfolgende Versionen dieser Erzählung von der Geschichte Trojas dar. Auf die Bedeutung dieses homerischen Epos’, das das Fundament jeder klassischen Bildung in Griechenland und Rom war, auch für die Römer, die ja ihre Abstammung davon ableiteten, brauche ich nicht besonders einzugehen. Von den über 50 Szenen haben sich nur noch 12 mehr oder weniger gut erhalten. Der Fries beginnt hinten am Eingang zur Krypta, die sich zur hinteren Straße öffnet. Hier war auch der Portier untergebracht, der sich um das kleine warme Bad. Das Schwitzbad mit einer apsiförmigen Nische befindet sich über dem Ofen. Das Bodenmosaik zeigt im Zentrum ein florales Motiv und darüber eine Amphore mit zwei Badenden und unten zwei Delphine.

Der Fries beginnt mit Apollo, der seine Pestpfeile auf das Lager der Griechen abschießt. Die Szenen verlaufen längs über die drei Flügel des Portikus, weiter über die Wände und enden gegenüber. Wenn die Malereien heute nicht mehr oder nur schwach zu erkennen sind, ist das ein Hinweis darauf, dass die Konturen und die Farbintensität im Laufe der Zeit verblassen und irgendwann vielleicht ganz verschwinden.

Die Szenen:

-Apollo, sein Name ist wie alle Beschriftungen in griechischen Buchstaben geschrieben. Er schießt mit seinem Bogen Pestpfeile auf das Lager der Griechen ab. Die Achäer laufen in Panik davon. Im Zentrum ein Mann auf einem Wagen, der die Arme gen Himmel reckt.

-Der Lykier Glaukos und der Tydide Diomedes tauschen miteinander die Waffen aus.

-Diomedes, unterstützt von Athena, kämpft gegen Mars

-Der Abschied von Hektor und Andromache mit ihrem gemeinsamen Sohn Astyanax (Hektor mit Helmbusch und Schild in der Mitte an sein Knie gelehnt

-Die Beratung der archaischen Feldherren

-Der Kampf Hektors mit Ajax

-Menelaos und Ajax tragen die Leiche des Patrokles ins griechische Lager zurück.

-Thetis, die Mutter Achills, steht in der Schmiede des Hephaistos, und schaut begeistert auf den großen Schild.

-Achill an der Bahre des Patrokles

-Drei zum Angriff aufgestellte Krieger

-Rückgabe Briseis an Achill

-Die Götter beobachten den Kampf der Achäer gegen die Trojaner

-Achill kehrt nach dem Tod des Patrokles in den Kampf zurück, während

Apollon Hektor aus dem Kampf zieht, um ihn zu schützen

-Der Kampf zwischen Achill und Äneas, der widerwillig Poseidon folgt, der

ihn aus dem Kampf führt

-Achill wütet grausam gegen die Trojaner

-Achill tötet Lykaon, einen Sohn des Priamos, am Fluß Skamander

-nicht zu bestimmende Szene

-Wehklage der Andromache vor dem toten Körper ihres Gatten Hektor

-Trauernde Frau

-Achill, mit Helm und Lanze, bringt ein Trankopfer am Scheiterhaufen des Patrokles dar. Vor ihm ein großer Krater. Daneben sind die niedergemetzelten Körper der Trojaner ausgebreitet.

D-ie Leichenspiele zu Ehren des Patrokles. Odysseus ergreift den als Siegespreis ausgesetzten Krater.

-Die Königin der Amazonen, Penthesileia, kommt Priamos zu Hilfe.

Helena auf den Mauern Trojas (?)

Das letzte gemalte Bild, das die Ausgräber unter Schwierigkeiten aus kaum noch erkennbaren Fragmenten zusammengesetzt haben, zeigt Äneas mit seinem Vater Anchises auf der Schulter und seinem Sohn Askanios, die von Hermes geführt aus Troja flüchten.

Diese Flucht führte dann später zu der in Vergils Äneis beschriebenen Gründung Roms. Im östlichen Arm befindet sich ein Bad und ein Oecus. Gleich links das prefurnium, der Heizofen der Therme. Es folgt das caldarium, ebenso mit Hypocaustum, wie das anschließende tepidarium. Der apsidiale Raum ist eines der ersten Beispiele mit einem gemauerten Kreuzgewölbe. In der rechteckigen Nische links stand wahrscheinlich das Wasserbecken. Im tepidarium hat sich teilweise der Stuck des Gewölbes mit verschiedenen geometrischen Mustern und Rechtecke mit Hippokampen und Greifen erhalten. In der Lünette sieht man Eroten, die den Köcher des Herkules aufheben. Der Raum wurde früher von der heute teilweise zugemauerten Lichtöffnung erhellt. Caldarium und tepidarium waren früher nur vom apoditerium aus erreichbar.

Im Gang vor dem apodyterium befindet sich ein Mosaik im Design einer hellenistischen Rosette. Der Umkleideraum hat einen Mosaikfußboden wie ein Stoffmuster mit rechteckigen, polychromen Tessere, die außen wie ein Korbmuster angelegt sind und innen ein Fischgrätmuster bilden mit einem Emblem im Zentrum. Die Wanddekoration gehört zu den schönsten Beispielen der 2. Phase des II. Stils. Es wurde versucht, den schmalen Raum illusionistisch zu erweitern, indem man auf der rechten Wand die repräsentative Fassade eines Gebäudes malte. Sie zeigt eine schlecht erhaltene Szene zwischen zwei Nischen mit einem Bogenvorbau,( über dem Karyatiden und Atlanten stehen. ?) In die Nischen waren die Statuen von Mars und Venus gemalt. Auf beiden Seiten befinden sich halbverdeckt Bogenfenster mit Blick auf einen hohen Säulengang. Auf der linken Wand befindet sich eine Landschaft mit einem Baumheiligtum und einer Sphinx links von der Türe und die Öffnung in der die Öllampe stand, die beide Räume gleichzeitig erhellt hat.

Das Fußbodenmosaik im frigidarium mit schwarzen und weißen Tessere ist im Sanduhrmuster ausgeführt. Das Emblem wurde schon in der Antike entfernt. Die Wände zeigen prunkvolle, zweistöckige Theaterfassaden mit davor und dahinter liegenden Kollonaden und perspektivischen Ausblicken, typisch für den II. pompejanischen Stil. Zwischen dem hervorstehenden Vorbau im Zentrum der Oberzone ein Ausblick auf den delphischen Dreifuß, der gerahmt wird von zwei nackten geflügelten Statuen als Trägerfiguren. Ferner Einblicke in alltägliche Szenen und Ausblicke auf Straßenzüge.

Auf der anderen Seite, über der Türe, ein anderer Ausblick auf ein Sanktuarium, ein verzierter Obelisk und ein gekurvter Vorhang (Wiese und Vögel), der von den Pilastern herunterfällt. Diese Ausblicke werden flankiert von Karyatiden, die auf dem Architrav stehen. Die Pilaster und die Tragebalken scheinen lebendig aus Holz gearbeitet und bemalt. Rechts unten ein Satyr, der Wein aus einem Schlauch in sein Trinkhorn gießt. In der rechteckigen Nische dürfte sich das labrum zum Absprengen mit kaltem Wasser befunden haben. Auf dem linken Pfeiler ist ein großer, goldener Kandelaber mit seinem Schatten gemalt und darüber fragmentiert ein Eros. Zwischen dem Eingang zu diesem Raum und dem des großen Salons mündet die Treppe zum oberen Stock, aus diesem Grund ist auch die Decke des apodyteriums niedriger.

Der große oecus ist in Vorraum und Triclinium-Saal geteilt. Die beiden Fußböden mit schwarzen und farbigen Tessere sind durch eine polychrome Schwelle unterteilt, die in Quadraten und Rechtecken strukturiert ist. Sie enthalten Medaillons mit Waffen, Rhomben, etc. Das Emblem am oberen Ende, um das die Klinen standen, wurde entfernt, als der Raum seine ursprüngliche Funktion verloren hatte. Auch hier ist die Wanddekoration von hoher Qualität. Auf Podien über einem Sockel mit Akanthusranken stehen Hermen als Mänaden und Satyrn. Sie stützen das vorkragende Gebälk der Kassettendecke. Darüber ein Stierfries und Akanthusblätter, auf dem das Gewölbe aufgesetzt war. Hinter den Hermen hängt eine Girlande, die mit einer Binde umwickelt ist. Die purpurfarbenen Hermen sind oben körperlich gestaltet, während sie ab den Schenkeln zu Pilastern werden. Die Übergangszone ist bei den Mänaden mit einem Tuch bedeckt, während die Satyrn sich nackt zeigen. Sie spielen das Tympanon, die Hirtenflöte, die Doppelflöte und Lyra und halten Füllhorn und Schalen in den Händen, und rufen so eine bacchisch-mystische Atmosphäre hervor. In dem Metopenfries zwischen den Hermen sind pinakes mit bacchischen und mythischen Szenen, deren Bedeutung nicht immer sicher ist, eingefügt. Aus diesem Grund ist der Saal auch als Sitz einer mystischen oder sakralen Vereinigung interpretiert worden. Die mythischen pinakes wechseln mit Stillleben ab. Die pinakes sind Kopien hellenistischer Tafelbilder mit Rahmen und doppelten Flügelklappen mit Scharnieren. Diese Art taucht im System der Wanddekoration erst in der zweiten Hälfte des 1.Jh.v.Chr. auf. Die Beispiele in der Villa in Boscoreale und hier sind die ältesten. Auf jeder Seite befinden sich fünf in unterschiedlichem Erhaltungszustand.

  • links: in diesem Bild in weichen Farben wird Ariadne auf einem Wagen von den sie begleitenden Frauen zur Hochzeit gefahren, voraus geht eine Doppelflötenspielerin. Die folgenden vier pinakes auf dieser Seite sind weitgehend zerstört.

Auf der gegenüberliegenden Wand sehen wir von rechts nach links:

  • das Bankett des Silenen, mit einer Mänade und einem Satyr auf einer Tricline. Ihnen werden von Sklaven Speisen und Getränke gereicht.
  • ein Hahn mit einem Korb mit Feigen, Pflaumen und Datteln, teilweise von einem Tuch bedeckt,
  • diese Abschiedsszene wiederholt eine Typologie, wie wir sie von den attischen Stelen der klassischen Zeit kennen. Links sitzt ein älterer Mann, der die vor ihm stehende, weiß gekleidete Frau betrachtet, rechts Charon, der Fährmann des Hades mit seinem Boot,
  • nach dem schlecht erhaltenen Stillleben mit Früchten und einer Gans folgen
  • zwei Frauen, eine jüngere sitzend und eine etwas ältere, die in einem Türeingang steht, schauen auf eine majestätische geflügelte Frau, die einen Palmzweig und einen Schild hält. Sie wendet sich einem nackten Jüngling zu, der eine Tafel oder eine Stele, vielleicht die Trophäe seines Sieges, vor sich hält.

(An der Ostwand befand sich das vollständig beschädigte Bild mit dem Gemetzel der Niobiden. )

(Auf dem gelben Grund der Mittelzone haben sich einige Graffiti von Gladiatoren, und zwar bestiarii, erhalten.)

CASA DEL SACELLO ILIACO

Die Fassade ist in opus quadratum aus Kalkblöcken, der Architrav mit dem Rahmen mit Zahnschnitt gestaltet. Nach dem Erdbeben 62 wurde – wie schon erwähnt – der Kryptoportikus und die Gebäude rechts vom Atrium und vom Garten abgetrennt, wo die Walkerei des Stephanus eingerichtet wurde.Das Haus befand sich zum Zeitpunkt des Vesuvausbruches in einer Phase der Restaurierung. Es liefert daher eine genaue Datierung für die Dekoration diesen Typs des IV. Stils. Darüber hinaus haben wir Beispiele über die Techniken der Restaurierung und der Fresken sowie den dazu verwendeten Materialien. Im cubiculum (b1, rechts vom Eingang) waren die Arbeiten schon beendet. Das Bett für zwei Personen mit dreifacher Rückenlehne war schon auf seinem Platz. Es nahm die gesamte Rückwand ein und war ca. 1,30 m breit.

Im triclinium (a, links von der Tür) war nur der Sockel noch nicht mit dem endgültigen Feinverputz versehen. Das beweist, daß die Maler ihre Arbeit von oben nach unten auf dem frischen Verputz ausgeführt hatten. Im Zentrum der Ostwand befindet sich ein xenion, ein großes Bündel Spargel, drei Körbchen mit Quark und einem pedum (Hirtenstab), links und rechts davon Landschaften. An der Nordwand (zur Straße) sind zwei pinakes mit silbernem Tafelgeschirr und eines mit Feigen zu sehen.

Auch im ersten cubiculum auf der linken Seite des Atriums hat sich das Bett ähnlicher Größe erhalten. Bis jetzt wurden wenige Betten gefunden, die man erhalten konnte. Die Betten, die hier im Atrium gefundenen Schränke mit Intarsien in Elfenbein und andere Einrichtungsgegenstände lassen den Schluss zu, dass das Haus zur Zeit des Ausbruchs trotz der noch nicht fertiggestellten Restaurierungsarbeiten bewohnt war. Die Fläche für das zentrale Bild an der rechten Wand war noch weiß geblieben, wahrscheinlich hat sie auf den pictor imaginarius gewartet. Die feine Dekoration des danebenliegenden cubiculum ist fertiggestellt.

In diesem cubiculum war nur die obere Zone auf weißem Grund fertiggestellt. Man war gerade bei der Vorbereitung der Mittelzone.

Das tablinum und das Atrium hatten erst die grobe Stuckverkleidung. An der Dachtraufe des impluviums befinden sich in den Ecken die Protome junger Löwen und an den Seiten von Hunden.

Im Sacello Iliaco (e, hinten rechts im Atrium) fehlen zwar die Wanddekorationen, aber die Arbeiten am Gewölbe und am Fries mit ihren polychromen Stuckreliefs waren glücklicherweise beendet. Sie sind nach den Ausgrabungen wieder zusammengestellt worden. Im Zentrum des Gewölbes ist ein Medaillon, in dem der Raub des Ganymed durch Zeus in Gestalt eines Adlers dargestellt war. An das Medaillon schließen vier Mandorla an, in denen sich Mänaden und Satyrn befinden, dazwischen bigae mit Panthern und Schwänen, die von Eroten gelenkt werden, sowie Fahnenkämpfe. In den seitlichen Säulenpavillons steht in der Mitte auf einer Basis ein junger Eros mit großen Flügeln, von denen einer zum Himmel, der andere zur Erde zeigt. Die Abgrenzung der Längsseiten bildet ein Fries in feinster Arbeit von Akanthusblättern, Tauben, Lyren oder Palmetten und Pokalen, der einen Streifen Meer umrahmt. Darin tummeln sich kleine Amorini, Delphine, Seepferde und Krustentiere. In der Lünette der Rückwand sind Diana mit ihrem Wagen und Endymion dargestellt. Sie besucht ihren Geliebten, der, in tiefen Schlaf versunken, ihre Anwesenheit nicht bemerkt. Darunter befindet sich der schöne Fries auf hellblauem Grund, dessen Figuren im Relief ausgebildet und z.T. gemalt sind. Es handelt sich um die letzten Episoden des Zyklus der Ilias, die wir hier als Ausgleich zu den kaum sichtbaren des Kryptoportikus in gutem Erhaltungszustand vorfinden. Die Erzählung beginnt mit der zweiten Szene auf der linken Seite. Priamos, Hekuba und Astyanax versuchen vergeblich von der hohen Pforte Trojas Hektor zurückzurufen. Der Krieger geht, begleitet von der geflügelten Schicksalsgöttin in den Kampf. Auf dem Fries der Rückwand verfolgen Hera und Aphrodite (links) das schicksalhafte Duell zwischen Achill und Hektor im Zentrum. Rechts und links von der Mittelszene die Vorbereitung zum Kampf. Rechts Achill mit seinem Streitwagen. Auf der rechten Seite wird vor den Mauern Trojas der Leichnam Hektors hinter dem Wagen Achills auf dem Boden her geschleift. In der folgenden Szene kniet Priamos vor Apoll, der ausgestreckt in seinem Zelt sitzt. Von einem Wagen herab werden die Kratere für den Rückkauf des Leichnams seines Sohnes im Beisein von Hermes übergeben. Ein Sklave, der links aus dem Tor Trojas tritt, bringt einen weiteren Krater. Der Fries endet mit dem ersten Bild auf der linken Seite. Es zeigt Priamos, der geleitet von Hermes den Leichnam seines Sohnes mit einem Wagen zurück bringt. Diese ungewöhnliche Anordnung der Szenefolge könnte damit zu tun haben, daß die Hauptszene des Frieses, der Kampf zwischen Achill und Hektor in der Mitte der Wand platziert werden sollte. Die Stuckreliefs stellen eines der lebhaftesten und am besten erhaltenen Beispiele dieser Zeit dar.

Der große oecus auch Salon des Philosophen und der Elefanten genannt, und das anschließende cubiculum haben beide ihre Ausstattung im II. Stil erhalten.

Der oecus wird durch das Fußbodenmosaik in zwei Teile geteilt. Der vordere Teil ist mit Kassetten, mit Sternen und Rhomben in variantenreichen geometrischen Formen ausgelegt. Der hintere Teil, mit einfachem Boden in weiß wird von schwarzen Zierleisten eingerahmt. Zusammen ergeben sie ein echtes Beispiel der reichen Gestaltung von Mosaikfußböden des II. Stils. Eine Schwelle mit einem Dekor aus Trieben unterteilt den Raum. Die Wanddekoration ist eine Megalographie, die um 30 v.Chr. ausgeführt wurde. Auf der linken Seite ist ein Philosoph oder Poet in einen großen weißen Mantel mit schöner Faltenbildung gehüllt. Er sitzt vor einem Globus – Symbol philosophischer Gedanken oder einer alles umfassenden Poesie. Die nur noch teilweise erhaltene Figur würde stehend über 3 m messen und ist die größte Megalographie, die man bis jetzt in der römischen Welt gefunden hat. Ihm gegenüber eine nur noch schwach erkennbare Muse, vielleicht Urania.

An der Rückwand befindet sich eine heraldische Komposition von zwei Elefanten, die auf einen großen Kandelaber im Zentrum ausgerichtet sind. Sie stehen auf einem gerahmten Podium, beide heben den vorderen äußeren Fuß. Sie werden von je zwei Eroten, die eine Glasvase halten, mit Zügeln aus Myrthenzweigen gelenkt.Neben der Eingangstür sitzt die Muse der Geschichte Clio mit einer Buchrolle in der Hand. Wegen der schlechten Erkennbarkeit der fragmentarischen Malereien möchte ich auf die verschiedenen Deutungen nicht weiter eingehen. Auf der gleichen Wand ist im groben Stuck der Restauration das antike ABC eingeritzt.

Über eine kleine Türe kommen wir in das cubiculum. Die monochromen roten Wände, sind fein geschmückt mit einer phantasievollen gemalten Marmorinkrustation mit floralen Rändern, Eierstab u. dergl. Über einem plastischen Meander befindet sich ein dreifacher Fries, der erste mit Zweigen, der zweite mit Schilden und der obere mit Nereiden, die auf Hippokapmen reiten. Darüber befinden sich komische Masken. Der grüne Trennpfeiler unterbricht die Monochromie. Unter dem Alkoven befand sich das Bett und hier ändert sich – wie allgemein üblich – sowohl das Schema der Wanddekoration, wie auch das des Fußbodens, der aus zusammenhängenden Sechsecken besteht. Vor dem Bett sind Kreise und Ellipsen wie ein „Bettvorleger“ in den Boden eingelassen. Fingierte Reliefs zeigen Ariadne, die schlafend auf der Insel Naxos von Bacchus entdeckt wird, und einen sitzenden Silen, der einem Satyr beim Flötenspiel lauscht. Der außerordentliche Kontrast des oecus mit der Megalographie und den feinen Malereien und Farben im kleinen cubiculum, stellt die unterschiedlichen Ideen und Ausführungsmöglichkeiten dieser Phase des II. Stils unter Beweis.

CASA DELL’EFEBO

Es handelt sich hier um die Zusammenlegung von mehreren Häusern, zwei Häuser an der Frontseite, denen ein drittes rückwärts angegliedert wurde. Die unterschiedlich gestaltete Fassade aus Kalksteinblöcken hat drei Türen. Der Zugang zum dritten Haus befindet sich auf der anderen Seite der insula. Der erste, heute zugemauerte, Eingang mit Halbsäulen in Tuff und Würfelkapitellen wurde mit gekreuzten Balken hermetisch abgeschlossen vorgefunden. Die insula 7 wurde zwischen 1924 und 1927 ausgegraben.

Atrium Eingang 10: Der zugemauerte Eingang führte zu diesem atrium testudinatum ohne impluvium. Das Dach des Hauses war geschlossen und hatte keine Öffnung. An der Seite befindet sich die Treppe, die zum cenaculum über dem Eingang führt. Die Speisen kamen von der Küche neben dem Eingang zum zweiten Gebäudekern. Dieser Teil war vom ersten durch eine Flügeltüre getrennt, die Aussparung für die Türangeln ist noch zu sehen. Gegenüber dem Eingang befindet sich ein kleines Zimmer, wo man sich in einem Bronzebecken die Hände waschen konnte. Es ist dies ein seltenes Beispiel eines Waschbeckens mit warmem Wasser, das in dem rückwärts liegenden Hof neben dem triclinum der Dienerschaft aufgewärmt wurde. Manche glauben, dass dieser Teil des antiken domus vielleicht ein Frauengemach oder ein Zentrum des Familienlebens abseits der repräsentativen Räume war. Reizvoll ist das gemalte lararium im Atrium mit opfernden Genien, Flötenspieler und Opferdienern zwischen den tanzenden Laren.

Im zweiten Atrium am Eingang gruppieren um dieses atrium tuscanicum sich verschiedene cubiculi. Die einfache Dekoration der Wände auf weißem Grund könnte ein Hinweis auf die sekundäre Bedeutung dieser cubibuli sein, ebenso wie jener, die im ersten Haus das atrium umgeben. In diesem cubiculum ist rechts Narziss dargestellt, der sich in sein Bild, das sich im Wasser widerspiegelt, verliebt: ein Bild mit diagonalen Linien mit Betonung auf die geneigten, sich annähernden Köpfe. Gegenüber sind Apollo und Daphne dargestellt. Ein drittes Bild mit der fischenden Venus ist wegen des schlechten Zustandes der Wand nicht mehr zu erkennen. Auch in diesem cubiculum befinden sich, wie in dem vorhergehenden, Malereien des IV. Stils mit Bildern, die in die Paneele eingefügt sind. Zwischen dem Atrium und dem Garten befindet sich ein einfaches. Im Fußboden ist ein Ornament mit pflanzlichen Motiven, an der Rückwand ein Stilleben mit einem Korb und Fischen angebracht. Es war üblich, seinen Freunden nicht zubereitete Lebensmittel als Gastgeschenk (xenia) zu übergeben; vielleicht stellen diese und ähnliche Naturstudien solche Geschenke dar. Gegenüber befindet sich ein Raum für große Festmahle. Das besonders sorgfältig ausgeführte opus sectile füllt den von den Klinen nicht bedeckten Teil des Raumes aus. In dem Blumenteppich aus Marmor sind im Zentrum wertvolle, verschiedenfarbige kleine Formen aus Glaspaste eingefügt. Der kostbare Boden war zum Schutze mit einer Überdeckung aus Blei versehen, die man dort noch gefunden hat. Bemerkenswert sind die extrem schlanken Strukturen an den Wänden mit ihren gewagten perspektivischen Blickwinkeln. Wie hinter einem transparenten Schleier öffnet sich diese großartige Szenerie, die in neronischer Zeit geschaffen wurde. An den Balkonen befinden sich Symbole, die auf den Dionysos-Kult anspielen. Die mythischen Bilder, unter denen man die Begegnung von Menelaos und Helena in der Nacht von Troja erkennt, heben sich davon ab. Das Zimmer war oben mit einem Fries von vergoldeten Stuckfigürchen umgeben, die auch das prachtvolle, wiederhergestellte Gewölbe der Decke schmücken.

Im Atrium dieses Hauses wurde bei den Ausgrabungen 1925 die herrliche Bronzestatue eines Epheben, gefunden, die dem Haus dem Namen gab. Es handelt sich um eine Kopie nach einem griechischen Original. Die Statue, die als Lampenträger ausgebildet war, hatte man beim Vesuvausbruch oder wegen der Umbauarbeiten zu ihrem Schutz mit einem dicken Tuch umwickelt und hier abgelegt. Angrenzend ein mit Stuck verziertes (?) lararium mit zwei gemalten Schlangen an den Seiten, die den guten Geist des Hauses verkörpern. In der Nische darüber ist ein goldglänzendes, brennendes Weihrauchfass dargestellt. Das Triclinium war durch die Trennwand geschützt, die bis zum vestibulum führt. Dieser dritte Eingang zum Haus war für die Gäste bestimmt. Das geräumige Vestibulum, die Küche mit der Toilette, gehörten zum Bereich des Sommer-Tricliniums.

Das Sommer-Triclinium befindet sich in einer Pergola, in deren Mitte ein kleiner Springbrunnen Frische spendete. Das Wasser kam vom castellum aquae im Portico, das mit dem Liebespaar Mars und Venus bemalt ist. Im Sommer speisten die Pompeianer in ihren Freilufttriclinien. Das triclinium im Haus des Epheben ist das größte von den insgesamt 40 in Pompeji ausgegrabenen. Im Hintergrund der drei gemauerten Klinen spendete ein kleines Nymphäum Wasser und speiste die Fontäne mitten zwischen den Liegen. An den vier Ecken stützten Säulen die aus hölzernem Lattenwerk gefertigte, schattenspendende Pergola. Die beiden runden Pilaster haben wahrscheinlich Statuen getragen. Hier hat sicher auch der Ephebe gestanden, um mit seinen Lampen das nächtliche Symposium zu erhellen. Die Seiten des Brunnens (q) waren mit einer großen Tierlandschaft bemalt.

Die gemauerten Seiten des tricliniums sind mit einer weiten Nillandschaft en miniature bemalt. Wir sehen die üblichen Szenen am Nil während der Überschwemmungszeit. Auf der rechten Seite sticht eine erotische Szene hervor, die die umstehenen Zuschauer mit Zurufen und Flötenspiel begleiten. Die ganze Landschaft strahlt eine fruchtbare Atmosphäre aus. Der wirkliche Garten, der von vier Hermen beschützt wurde, befindet sich auf der linken Seite. Das Wasser für den Brunnen wurde in einem Wasserrohr gesammelt, das in den Außenmauern sichtbar ist und im rückwärtigen Haus zum Vorschein kommt. Diese Tatsache und die offene Tür in der angrenzenden Mauer machen deutlich, dass auch dieses Haus zum Komplex des PUBLIUS CORNELIUS TAGES gehörte. Die Umbauarbeiten waren auch hier beim Ausbruch des Vesuvs noch voll im Gange, wie die Materialanhäufungen für die Stuckarbeiten in dieser Exedra beweisen.

Die Mauern der Gärten waren hier, wie auch überall anderswo in Pompeji bemalt mit lebendigen Szenen von Pflanzen und Tieren, die den Gartenraum ideell erweiterten und vergrößerten. Dies traf besonders für kleinere Gärten innerhalb enger Mauern zu. Man sieht viele verschiedene Pflanzen und Tiere, häufig ist das Motiv von Vögeln auf hoher steinerner Tränke inmitten von vom Winde bewegten Laubes.

Wir kennen nur den Namen eines Malers. Er hat in der letzten Periode den Garten des OCTAVIUS QUARTIO bemalt und mit LUCIUS firmiert. Nach La Rocca könnte er auch der Maler dieser ähnlich gestalteten Dekoration sein.

Zwischen die Mauerschranken des zweiseitigen Portikus, die den großen, gemalten Garten begrenzen, ist ein Xystus eingefügt. Der schmale Gang führt zum dritten Haus. Im cubiculum befindet sich ein kleines Bild mit Paris und Helena auf schwarzem Grund. Das tuskanische atrium, mit kleinem impluvium wird von kleineren Zimmern umgeben.

Im tablinum finden sich Bilder von Ila im Streit mit den Nymphen und den Liebenden, Mars und Venus. Das Fenster geht auf einen kleinen Gang, wo die Mauern mit einem Rohrgeflechtmuster bemalt sind. Das angrenzende triclinium war mit Malereien des späten III. Stils verziert, die von der gleichen Hand stammten, die das tablinum ausgemalt hat. Man kann einige Villenlandschaften am Meer erkennen. Das Skelett eines Knaben in dem kleinen cubiculum erinnert an das schreckliche Ende der Bewohner Pompejis. Die große Anzahl von Schlafräumen und Speisezimmern in diesem Gebäudekomplex lässt darauf schließen, dass der wohlhabende Besitzer PUBLIUS CORNELIUS TAGES auch ein großzügiger Gastgeber war.

Das dreieckige Forum

Der via della abbondanza entlang, rechts abbiegend erreichen wir durch einen monumentalen Torbau mit sechs ionischen Säulen das Areal des dreieckigen Forums, dem wohl ältesten Teil der Stadt. In Pompeji ist zwischen dem achten und sechsten Jahrhundert v. Chr. von den Osko-Samniten, ein italischer Stamm, gegründet worden. Im sechsten Jahrhundert v. Chr. ist schon die Stadtmauer gebaut wurden, sie verteidigte nicht nur das Dorf selbst, sondern auch die landwirtschaftlichen Zonen und die Viehweiden. Die Stadtmauer umfasst ca. 66 Hektar Land, während das ursprüngliche Dorf nur wenige Hektar beanspruchte. Das Ganze macht Sinn, da die Osko-Samniten von den Etruskern einerseits und den Griechen andererseits bedroht waren. Der Verlauf der Stadtmauern wird sich im Laufe der Jahrhunderte nie ändern. Ebenfalls die Straßen wurden schon in dieser Zeit angelegt. Sulla selbst wird diese Stadtmauer und das existente Straßennetzes nicht verändern und seine Stadtgründung darin hinein anpassen. Das dreieckige Forum befindet sich auf einem natürlichen Feldsporn, der sich zwischen dem Meer und dem schiffbaren Fluss Sarno befindet. Der Ursprung der Stadt ist wohl darin zu suchen, eine Siedlung ließ sich ursprünglich am Fluss nieder, an der Straße, die Neapel mit der Halbinsel von Sorrent verbindet. Der Fluss selbst führte zum Hinterland, das zu jener Zeit von den Etruskern bewohnt war. In Kampanien wohnten zu derzeit an den Küsten die Griechen, im Hinterland die Etrusker und auf den Bergen vor allem die italischen Völker. Letztere vermittelten Waren zwischen Etrusker und Griechen, die konnten sich kaum anfreunden konnten und waren öfters in kriegerischen Auseinandersetzungen verwickelt. In einer Vermittlerrolle ist der Wachstum von Pompeji und der zunehmende Reichtum der Stadt erklärbar. In dieser frühen Zeit gab es zwei Heiligtümer in der Stadt: der Tempel des Apollon und der dorische Tempel des Herakles am dreieckigen Forum. Von 600 bis 200 v. Chr. scheint die Stadt keine wirtschaftliche Relevanz in der Region zu spielen. Das dreieckige Forum wird so genannt wegen seiner Form, im zweiten Jahrhundert v. Chr. wurde Portiken zugebaut, die das Areal auf drei Seiten einfassten, auf einer Seite genoss man eine grandiose Sicht aufs Meer. Heute ist das wegen dem Bewuchs der Vegetation leider nicht mehr nachvollziehbar. Der dorische Tempel war auch vom Meer weit her aus sichtbar und bildete somit das Wahrzeichen der Stadt, erst in römischer Zeit ersetzte der Tempel der Venus diesen dorischen Tempel als Wahrzeichen der Stadt. Wie der Tempel genau aussah und dessen Grundriss kann heute nicht kaum mehr nachvollzogen werden, da er zu viel zerstört ist. Die weit ausladenden Kapitelle datieren den Tempel in die zweite Hälfte des sechsten Jahrhunderts v. Chr. Er bestand aus insgesamt 95 Säulen, 11 davon sind wieder aufgestellt worden. Der Unterbau des Tempels liegt direkt auf dem Fels auf, er hat eine unterschiedliche Anzahl von Stufen. Der Tempel bleibt weiter einer der wenig bekanntesten Bauwerke in Pompeji. Vor den Tempel liegt ein eigenartigerer Rundbau, von ihm wird vermutet, dass ist möglicherweise das leere Grab (Kenotaph) des vermeintlichen Gründers vom Pompeji sei. In römischer Zeit ist der Tempel kultisch nicht benützt worden, jedoch respektierte man den Bau als einen Kultbau der vorhergegangenen Osko-Samniten, restaurierte ihn aber nicht mehr. Am Eingang des Forums finden wir eine Inschrift, sie ist die dem Neffen von Augustus Marcellus gewidmet, Thronfolger in jungen Jahren verstorben.

Theater und Odeion

Vom dreieckigen Forum führt eine Treppe zum großen Theater hinunter. Rechterhand steht eine große Säulenhalle (porticus), die mit 74 Säulen gebaut ist. Solche Säulenhöfe gab es zumeist in der Nähe der Theater und hatten verschiedene Zweckbestimmungen, hier konnte sich das Publikum während er Aufführungen in den Pausen aufhalten, die Schauspieler übten hier ihre Stücke ein, ursprünglich war der Porticus mit dem Theater durch einen Gang verbunden. Nach dem Erdbeben von 62 n Chr., das auch das Amphitheater und die danebenstehende Gladiatorenkaserne vollkommen zerstört hatte, wurde dieser Porticus in eine provisorische Gladiatorenkaserne umgebaut. In mindestens zehn Räumen traf wurden Holzkisten mit Stoffen und reich verzierten Waffen gefunden. Wenigstens achtzehn Menschen, darunter auch eine Frau mit kostbarem Schmuck, die sich mutmaßlich intim mit einem Gladiatoren unterhielt sind dort durch den Ausbruch umgekommen. Das große Theater ist an einem Hügel angelehnt im zweiten Jahrhundert v. Chr. In griechischer Manier erbaut worden. In augusteischer Zeit sind grundlegende Renovierung arbeiten durchgeführt worden, leicht zu erkennen in den massiven Einsatz von roten Ziegeln; eine Inschrift eines nicht weiter bekannten freigelassenen Architekten beweist es. Im großen Theater, das teilweise bedeckt war, wurden vor allem Tragödien und Komödien aufgeführt. Im danebenliegenden kleinen Theater (Odeion) wurden musikalische und dichterische Darstellungen angeboten. Vier Sitzreihen im unteren Teil des Theaters waren der Stadtelite vorbehalten

Das Odeion bildet mit dem großen Theater einen einheitlichen Komplexes. Es war aus akustischen Gründen kleiner und überdacht. Dieses Odeion ist erst in sullanischer Zeit erbaut worden. Der Grundriss des Odeions unterscheidet sich nur in Größe und Form der Orchestra wesentlich vom großen Theater. Die Orchestra des großen Theaters ist hufeisenförmig während die des Odeions halb rund ist. Es ist noch eine Rinne zu erkennen, die für die Führung des Vorhanges angelegt war, der Fußboden der Orchester besteht aus bunten Marmorplatten, an den Seiten stehen zwei Atlanten die jenen in den Forumsthermen sehr ähnlich sind.

Fenster: Tragödie und Komödien

Neben den drei berühmten Tragikern, Aischylos, Euripides und Sophokles gibt es eine Vielzahl von anderen Tragikern, die in den meisten Fällen oft nur mit Namen oder aus wenigen Fragmenten ihrer Arbeit überliefert sind. Es gab eine Vielzahl von Tragödien und Komödien, da es im bis zum fünften Jahrhundert v. Chr. üblich war, während den panathenäischen in Athen, einen Dichter Wettbewerb mit den verschiedenen attischen Phylen durchzuführen. Von Tausenden Aufführungen kennen wir heute nur noch 33 Stücke, alle von den drei berühmten Tragikern: von Aischylos 7 von 80 Tragödien, 7 von 123 des Sophokles und 19 von 90 des Euripides. Die Dramen sind ursprünglich geschaffen worden um nur ein einziges Mal aufgeführt zu werden und zwar als Wettbewerb anlässlich der panathenäischen Spiele. Sie erfreute sich jedoch derartiger Beliebtheit, dass sie im Laufe des 5. und des 4. Jahrhunderts v. Chr. immer wieder, vor allem in den griechischen Kolonien in Süditalien, aufgeführt wurden. Die Texte wurden immer wieder überarbeitet und eine Menge Zusätze und Änderungen sind durchgeführt, je nach Geschmack der Verschiedenen Regisseure. Deshalb ließ Lykurgos, Redner und Politiker aus Athen330 v. Chr. ein Musterbuch der berühmtesten Tragödien der drei großen Tragiker zusammenstellen, die nur nach diesem Original (gegen Todesstrafe) aufgeführt werden durften.. Nach Alexandria in die berühmte Bibliothek wurde dieses Buch zur Abschrift, für eine ungeheuere Summe als Pfand, ausgeliehen und u. a. nie wieder zurückgegeben. Es diente den Gelehrten als Basis um eine Ausgabe mit je sieben Stücke des Aischylos und Sophokles und 10 Stücke des Euripides zusammenzustellen. Zusätzlich wurden diese Stücke mit einem Kommentar zur Aufführung versehen. Heute sind noch neun weitere Tragödien des Euripides bekannt, sie sind ein Restbestandteil einer alphabetischen Gesamtausgabe (Helena, Elektra, Herakles), die irgendwie über die Zeit hinweg erhalten geblieben sind. Alle beginnen mit dem Buchstaben E, die H Schreibung vor dem E ist deutsch (Herakles, Erinninen, Elektra usw.). In Konstantinopel und in der arabischen Welt sind diese Werke uns erhalten geblieben, sie sind tatsächlich die besten Werke der berühmten drei Tragiker. Es gibt etwas Verwirrung in der Erklärung der Stoffe von Tragödien und Komödien. Komödien sind eine politische Dichtung, die besonders die politischen Zustände Situation in Athen bei der verarbeiten, reale Personen werden verschlüsselt verpönt. Die Tragödien sind mit dem Dionysoskult und dem epischen Mythos verbunden, der Namen selbst kommt von Bocksopfer. Der Dionysoskult stammt einem ländlichen Kontext und wurde ausgelassen gefeiert. Dionysos war in Athen im sechsten vorchristlichem Jahrhundert einer der wichtigsten Gottheiten, eng mit Mysterienkulten verbunden. Für unsere Vorstellungswelt ist die Gedankenwelt der Griechen um den Dionysoskult völlig unverständlich. Im Jahre 534 v. Chr. wurde zum ersten Mal ein Theaterwettbewerb anlässlich des Dionysoskults aufgeführt. Ausgetragen wurden die Wettkämpfe von den verschiedenen Stadtbezirke (Phylen) in Athen, ein Stück bestand immer aus drei Tragödien und ein Satyrspiel. Drei professionelle Schauspieler spielten die Stücke mit Masken, der Chor, bestand aus attischen Bürgern. Die drei Stücke einer Tragödie konnten eine Einheit bilden, aber standen auch des öfteren in keiner inhaltlichen Beziehung miteinander. Beendet wurden die Aufführungen immer mit dem Satyrspiel. Satyrn gehören zum Gefolge des Dionysos, sie haben Pferdeschwanz, Bocksohren und einen immer erigierten Phallus, angeführt von einem älteren Silen. Es gibt denkbar keine größeren Gegensätze als die Tragödie, die einen Mythos aufgearbeitet, zumeist in einem Blutbad endet, und das abschließende Satyrspiel, erotische Parodie mit Witz, kulinarische Genüsse und Unmengen an Wein, beliebt beim Publikum, mit. Der Inhalt spielt sich immer in der freien Natur vor allem in den Wäldern ab, heutzutage inszenieren die Regisseure aus der ursprünglichen Tetralogie nur ein einziges Stück, deshalb wirkt die Tragödie gerne kontextlos und verliert zumeist ihren ursprünglichen Sinn. Andererseits wäre es heute vermutlich hart eine Aufführung durchzuführen, die acht Stunden dauert.

Die Komödie hingegen hat einen politischen Ursprung, ihr Inhalt ist eher mit dem heutigen Kabarett vergleichbar. Der Ursprung der Komödie liegt in den Protestliedern der Bauern, die nächtlich vor dem Hause der Gutsverwalter protestierten, wobei sie ihre Haustiere mitführten. Diese Protestlieder wurden so beliebt, dass sie bei Feiertagen für das gemeine Volk wieder aufgeführt wurden und so entwickeln sie sich zu einer selbstständigen Theatergattung. Von den mitgebrachten Tieren bekommen viele Komödien ihren Namen, der Chor war meist als Tiere verkleidet, z. Beispiel: die Wespen, die Bienen usw.

Der Isistempel

Der Isistempel war der einzige Tempel, der nach den gewaltigen Erdbeben vom 62 fertiggestellt wurde. Das zeugt vor seiner großen Beliebtheit beim Volke. Verwunderlich ist es nicht, denn der regierende Kaiser war in zur Zeit Vespasian, der vor dem Kaiseramt als Feldherr von Ägypten ein besonderer Verehrer und Förderer des Isiskultes war. Schwer beschädigt vom Erdbeben wurde der Isistempel offiziell auf Kosten von eines sechsjährigen Kindes wiederaufgebaut, der Grund dieser Spende war die Aufnahme in das Kollegium der Decurionen. Die Inschrift über dem Eingangstor bestätigt es. Zur Zeit der Ausgrabungen 1764, die Entdeckung des alten Ägypten noch nicht stattgefunden, erweckte die Entdeckung des Isistempels enormes Interesse und lockte zahlreiche prominente Besucher an. Deshalb existieren eine ansehnliche Anzahl an stimmungsvollen Zeichnungen des 18. und 19. Jahrhunderts. Sie dokumentieren und den Zustand des Gebäudes zur Zeit der Ausgrabungen. Der Tempel ist auf alle vier Seiten von einer Einfassungsmauer umgeben und in das Theaterviertel einbezogen. Der eigentliche Tempelbau erhebt sich auf einem Podium aus Tuffstein und hat eine Vorhalle mit vier korinthischen Säulen. An der hinteren Wand befinden sich die Sockel der Kultstatuen von Isis und Osiris. Die Sockel war hohl, dort wurden verschiedene Kultgegenstände aufbewahrt. In den Seitenwänden befinden sich Nischen für die Kultstatuen vom Harpokrates und den ägyptischen Seelenbegleiter Anubis, sowie eine Statusnische für Dionysos. Die Nischen hatten als Schmuck Lorbeerkränze und zwei Ohren, als Symbol, die Göttin erhörte immer die Gebete der Gläubigen. Der Hof ist von einer Säulenreihe umschlossen, der Tempel hat eine seltsam gestreckte Form, was wohl mit kultischer Notwendigkeit in Verbindung gebracht werden muss. Daneben steht ein kleiner Bau, das Taufhaus, wo Nilwasser aufbewahrt wurde, die Aufnahme in den Kult erfolgte mit einem Bad in Nilwasser. Die Wandmalereien zeigen Landschaften aus Ägypten

Die Isisreligion ist eine der bekanntesten Erlösungsreligionen der Antike. Der Kult hat seinen Ursprung in Ägypten, und ist zum ersten Mal zur Zeit des Neuen Reiches im 2. Jahrtausend v. Chr. belegt. Im dritten Jahrhundert v. Chr. wurde dieser Kult synkretisiert mit der griechischen Religion der neuen makedonischen Machthaber in Alexandria, in der Nachfolge von Alexander. Elemente der griechischen und ägyptischem Religion wurden miteinander zu verschmelzt um diesen Kult Orient und westlicher Welt zugänglich zumachen. Große Beliebtheit erfreut er sich im Römischen Reich, er fand eine rasche Verbreitung in der gesamten antiken Welt. Besonders die unteren sozialen Schichten, allen voran die römischen Legionen verbreiteten diesem Kult über das gesamte Römische Reich, von den römischen Kaisern mit wenigen Ausnahmen wurden Erlösungskulte zumeist nicht gerne gesehen.

Vom Theaterbezirk kommend stehen wir nun vor dem Eingang des Iseums von Pompeji, das zu einem der besterhaltenen gilt. Vorweg, es handelt sich hier um einen Kultplatz, wie der Namen der geweihten Göttin aussägt, ägyptischen Ursprungs. Fragt man sich zurecht, was hier in Pompeji eine ägyptische Gottheit zu suchen hat, noch dazu eine Vertreterin einer Mysterien- und Erlösungsreligion, eine jener Religionen, die nach der Aufnahme, ein Weiterleben des Geistes und der Individualität verspricht. Eigentlich stehen Erdlösungsreligionen völlig im Kontrast mit der normalen römischen Anschauung der Zeit, die das Jenseits eher als ein Schattenreich anschauen (Vergil beschreibt e uns in der Szene des Abstieges von Odysseus in die Unterwelt am Avernersee). Bevor ich mich dem Bau als solches zuwende, erscheint es mir wichtig, den Isiskult, dessen Verbreitung und Beliebtheit, sowie dessen Einflüsse auf unseres religiöses Empfinden, zu besprechen.

Erlösungsreligionen

Als Alexander der Große 323 v. Persien und anschließend Ägypten eroberte, begann eine erstaunlich, politisch interessante, Synthese zwischen griechisch-makedonische Anschauungen mit den vorhanden Erlösungsreligionen aus Persien und Ägypten. Alexander und seine Nachfolger, die 4 Diadochen, die sich sein Reich nach verschiedenen Auseinandersetzungen unter sich aufgeteilt hatten, versuchten nun eine Einheitsreligion zu erreichen, die alle Griechen und Asiaten in ihren Anschauungen befriedigen konnte, allen voran der makedonische Feldherr Ptolemäus, Begründer der ptolemäischen Dynastie in Ägypten. Ein neuer Gott wurde geschaffen, Serapis, der in sich Aspekte des ägyptischen Unterweltgottes Osiris und des griechischen Herrscher des Jenseits, Hades, vereinigte (Ikonographisch wurde als Kultstatue des Hades, jenes des berühmten Bildhauers Bryaxis aus Synope in aller Eile geholt). Zwei Ziele verfolgten die ptolemäischen Herrscher (man vergesse nicht 300 Jahre lang bis zu Cleopatra VII. bleiben sie das Herrscherhaus in Ägypten), einmal die Mischung zweier verschiedenen Religionen, die eine Neuformung einer Erlösungsreligion ergab, die allen gerecht werden konnte und als wichtigere die Legitimierung des makedonischen Herrscherhauses in der direkten Nachfolge der alteingesessene ägyptischen Pharaonen. Der ägyptische Priester Manetho (den wir auch die Pharaonen liste verdanken) und der Grieche Timotheus, ein Kenner der eleusinischen Mysterien, schafften nun zwei neu geformte Kulte: Serapis und der Kult der althergekommenden Göttin Isis. Darin liegt der Schlüssel zum Verständnis des großen Erfolges und der unverhofften Verbreitung auch außerhalb Ägyptens der beiden Erlösungsreligionen, oft treffend als das alexandrinisches Dogma definiert. Die Ägypter hatten ihre althergebrachte Isis, die Griechen nahmen sie in ihr Götterpantheon auf, indem sie sie als Tochter des Kronos und der Rhea anschauten und somit aus griechischer Sicht voll legitimierten. Der uralte Osirismythos wurde aus griechischer Sicht reinterpretiert, wie uns Plutarch und Diodorus Siculus berichten:

Tausende von Dokumenten zeigen uns wie Osiris Tod und Auferstehung selbst erlebte,; eine Isis Trägerin der Hoffnung und der Mutterschaft, durch die postume Vereinigung mit Osiris, die Geburt ihres Sohnes Horus- Hapokrates, der der Rächer seines Vaters werden sollte und Anubis ein Dämon Mensch mit Hundekopf, der Toten in die Unterwelt begleitet. Dies liegt einer Tradition zugrunde, die wir bis zur 5. Dynastie ins 3. vorchristliche Jahrtausend zurückverfolgen können. In der 6. Dynastie ist eine erste Priesterschaft für Isis in Cusae belegt. In den Pyramidentexten ist sie etwa 70 mal erwähnt. Der große Durchbruch der Isis erfolgt in der 18. Dynastie (um 1500 v. Ch.), als ihre erstes ikonographisches Erscheinen erhält, da sie im Alten und Mittleren Reich immer nur anthropomorph dargestellt wurde. Sie erhält nun die Rindshörner und die Sonnenscheibe als Attribute (die ursprünglich der Göttin Hathor- Aphrodite zukamen).

Mehrere Hypothesen gibt es zum Ursprung ihres Namens, als Hieroglyphe wird sie als Thron dargestellt, möglicherweise ist sie der Thron Gottes oder der Thron des Herrschers, um die Sacralita des Pharaos zu unterzeichnen. Die wichtigsten Kultzentren in Ägypten sind Cusae, Hebit, Abydos, Koptos und Theben, Philae, aber sie war im gesamten Territorium verbreite und verehrt. In hellenistischer Zeit werden es Alexandria, Philae und Memphis. Viele Aspekte birgt sie in sich: Mutter, Gemahlin Beschützerin der Frucht, aber auch Helferin des Mannes in seinen erotischen Abenteuer, sie gibt ihm die Potenz. Isis ist auch die große Zauberin, die vor den Intrigen des Dämons der Dunkelheit und die Personifikation des Schlechten Apophis schützt. Sie heilt Schlangenbisse und Verbrennungen. Sie besitzt den Elixier der Unsterblichkeit und ruft die Toten zum Leben. Sie herrscht über Schicksal, Zufall und Glück. Ihre Verbreitung verdankt sie wohl der Seefahrt, dessen Beschützerin und Herrin sie ist. Die selbe Seefahrt wird später der große Träger der christlichen Expansion. Vor allem die unteren sozialen Schichten, Seeleute und Soldaten, waren in der Hoffnung auf ein besseres Leben und der Unsterblichkeit, wie es ihnen die Religion verhieß, angezogen. Im Hellenismus fließen in Ihr verschiedenen Aspekte der eleusinischen Mysterien eine, eine Angleichung an Demetra und die Verbindung des Unterweltgedanken und des Todes mit der Auferstehung mit den Zyklen der Saisonen und der Fruchtbarkeit, die sie überwacht.

Wie kommt es nun, dass wir den Mysterienkult der Isis in Pompeji finden. Der Einzug des Isiskultes in der römischen Welt ist von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Ennius, der römische Schriftsteller (239-169 v.) erwähnt zum ersten Male eine gewisse Verbreitung des Isiskultes in Italien. Um 90 v. erscheinen ihre Attribute, Sistron und Situla auf sullanische Münzen, das bedeutet, daß der Kult nun offiziell anerkannt ist. Dieses Datum deckt sich auffallend mit der Ansiedlung der Kolonisten in Pompeij, die Gründung des Isisheiligtums in Pompeji wird zwischen 105 und 90 v. datiert, letzteres erscheint mir anhand dieser Belege wahrscheinlicher. Zwischen 58 und 48 v. wendet sich das Blatt. Verschiedene Senatsbeschlüsse verbieten den Isiskult, die Statuen werden entfernt, die Tempel geschlossen, einige auch zerstört. Das ganze hat eine politische Motivation. Da die Anhänger des Kultes in den niederen Bevölkerungsschichten zu suchen sind, werden sie von den Populaten in ihrer Auseinandersetzung mit den Optimaten politisch genützt. Von Claudius Pulcher wissen wir, daß er die Priester der Isis in die politische Propaganda zu Gunsten der Populaten massiv einsetzte. es verwundert nicht, dass 48 v. auf Anordnung des Senates der kapitolinische Isis- Tempel, im Zentrum des Streites, zerstört und die Priesterschaft aufgelöst wurde; Cassius Dios berichtet uns darüber, es handelt sich dabei wahrscheinlich um den sullanischen Tempel. Der Isis Kult hielt sich aber weiter im privaten Bereich, da wir mehrerer Inschriften von Isis Priester auf Gräbern auch nach dieser Zeit finden konnten. Caesar scheint dem Isiskult indifferent gegenübergestanden zu haben trotz daß Kleopatra, die sich mit Isis identifizierte, mit ihm von 46 bis 44 v. in Rom lebte. Kleopatras Aufenthalt in Rom war von Zurückhaltung charakterisiert, bekanntlich liebte sie den 30 Jahre älteren Caesar und gebar ihm auch einen Sohn Caesarion. Im Jahre 43 v. legalisiert das zweite Triumvirat, Octavian und Marc- Anton und der Wiederaufbau eines neuen Tempels wurde beschlossen. Marc- Anton war orientalischen Kulten gegenüber sehr sensibel, während für Octavian, der sich normalerweise an den bodenständigen italischen Kulten orientierte, der Isiskult die Legalisierung des Verhältnisses seines Adoptivvaters Caesar mit Cleopatra bedeutete. (Das hindert Augustus jedoch nicht später den dynastisch unbequemen Caesarion zu eliminieren). Nach der Schlacht von Actium und der Eroberung Ägyptens von Augustus darf es nicht verwundern, wenn nun der Isiskult deutlich schlechter in seiner Politik, im Verhältnis zu den einheimischen Kulten stand. Isis als ein Fremdkörper wurde nun auf extraurbanen Boden verbannt. Augustus, in seiner Funktion als Pontifex Maximus, reorganisierte systematisch die antiken lokalen Kulte, tolerierte kaum mehr ägyptische und griechische Kulte. Bezeichnend steht dafür sein Grabmal das in italischer- etruskischer Tradition des Tumulusgrabes erbaut wurde. Gleichzeitig mit der Eingliederung Ägyptens ins Reich, als persönlicher Privatbesitz des Kaisers, der sich somit auch als legitimer Nachfolger der Pharaonen betrachtete, vollzieht sich ein starker Trend zu Ägyptiaka. Man denke an die Vielzahl der Obelisken, das Horologium Augusti, die zwei Obelisken vor dem Augustusgrab, die Spina des Zirkus Maximus in Rom, die nun nicht in kultischen Bereich, sondern als Herrschaftsanspruch aufgestellt wurden. Besonders klar kommt das nun im dritten pompeianischen Wandmalereistil zum Ausdruck der nun stark ägyptisierend erscheint, aber auch Grabbauten in pseudo- ägyptischen Stil, wie die Cestiuspyramide geben Ausdruck von diesem Modetrend. Marcus Vispanius Agrippa, die Nummer zwei im Reich verbot die fremden Kulte, hatte aber sein Haus voll ägyptisierender Werke, das ist eben nicht kultischen Aspekten, sondern dem ästhetischen Geschmack zuzuschreiben. Dies betrifft die offizielle Politik. Aus häuslichen Funden, Isis und Osiris- Statuetten vor allem, hingegen ist es klar, dass ein breiter Teil der normalen Bevölkerung den Isiskult weiter praktiziert. Schriftsteller der augusteischen Zeit Tibullus und Properz verbinden den Isiskult mit einem bukolischen Lebensstil ohne Streß.

War Augustus noch tolerant mit den fremden Kulten, ist sein Nachfolger der moralisierende Tiberius, der Prostitution und Adulterium verbot, völlig intolerant Erlösungsreligionen gegenüber (möglicherweise deshalb auch die Kreuzigung Christi, als Strafe für seine Vergehen völlig übertrieben, zur gegebener römischer Gesetzgebung, in seiner Regierungszeit). Der Skandal des Decius Mundus im Isistempel war für Tiberius ein willkommener Vorwand energisch durchgreifen zu können wie uns der jüdische Historiograph Josephus Flavius in den „Antiquitates iudaciae“ überliefert. Ein Skandal, der langwierige Folgen haben sollte:

Der bekannte Ritter Decius Mundus, in Zusammenarbeit mit den von ihm bestochenen Isispriestern, lockte die Matrone Pauline, die ihn immer abgewiesen hatte, trotz daß er ihr schon 200.000 Drachmen für eine Liebesnacht geboten hatte, mit Hilfe der Priester eine Nacht in den Isistempel. Die Priester hatten der fanatischen Isisanbeterin ein intimes Treffen mit dem Gott Anubis persönlich zugesichert, ihr Mann Sarturninus hatte sein Einverständnis zur Liebesnacht mit Anubis gegeben. Decius mit Hundekopfmaske und als Anubis verkleidet verbrachte nun die heiß begehrte Liebesnacht mit Pauline. Die Frau, überzeugt mit dem Gott selbst geschlafen zu haben prahlte bei ihren Freunden. Mundus entblößte sie indem er sie wissen lies, daß in Wirklichkeit er sie besessen hatte, und dabei noch die versprochenen Drachmen gespart hatte. Sarturninus meldete den Vorfall am kaiserlichen Hofe. Nach einer genauen Untersuchung wurden die Priester gekreuzigt, der Tempel zerstört und die Kultstatue in den Tiber geworfen. Der Fund einer Isisstatue im Tiber, heute befindet sie sich in München, bestätigt möglicherweise diese Geschichte. Der Isiskult wurde nun unter Tiberius in den Jahren 19 und 30 ausdrücklich verboten, da er auch mit Orgien und „heiliger“ Prostitution verbunden war.

Die Situation ändert sich völlig mit Kaiser Caligola (Spitzname für Caius Caesar Germanicus 37- 41), der an den orientalischen Erlösungskulten persönlich sehr interessiert war. Das hängt damit zusammen, da er im Legionslager mit seinem Vater den beliebten Feldherren Germanicus aufwuchs, Legionäre waren im 1. und 2. Jh. dem Isiskult gegenüber sehr empfänglich. Besonders identifizierte sich Caligola mit Marc- Anton, von dem er abstammte. Er fühlte sich durch die Verbindung Marc- Antons mit Cleopatra als Legitimer Nachfolger der Pharaonen, deshalb auch sein Hang zu „Domine et Deo“, er fühlte sich als göttliche Reinkarnation, und plante sogar die Verlegung der Hauptstadt von Rom nach Alexandria. Zwangsläufigkeit wurde er ermordet,. Er hatte aber nun den Isiskult offiziell wieder als Staatskult wieder eingeführt.

Claudius war nur der griechischen Welt zugewandt, der Isiskult war ihm gleichgültig. Nero hingegen war den griechischen, aber auch den ägyptischen Kulten gleicherweise offen. Der stoische ägyptische Priester Charemon war mit Seneca sein Lehrer. Auch unter ihm erlebte der Isiskult eine Blütezeit.

Die Zeit, die Pompeji und somit auch das Isis- Heiligtum besonders betrifft ist die der flavischen Kaiser. Wie eng die flavischen Kaiser mit der ägyptischen Tradition verbunden sind zeigt uns der Aufstieg zur Macht des römischen Feldherrn Vespasian. Nach dem Tode Nero kam es zum sogenannten Dreikaiser- Jahr. Ohne diese Zeit näher zu betrachten folgten Nero, der am 9. Juni 86 Selbstmord verübte, Galba (8 Juni 68-15. Jan 69), Otho (15. Jan- 16. April 69, Selbstmord), Vitellius (2. Jan- Dez. 69) bis sich Vespasian durchsetzten konnte, am 1. Juli 69 von den ägyptischen Truppen zum Kaiser proklamiert. Tacitus, Sueton und Philostrat berichten uns, daß Vespasian sich im Serapeion von Alexandria bedankte, dessen Orakel ihm Glück und lange Regierungszeit verhieß. Das Ganze rundete er noch mit einem Besuch der Oase Siwa ab und dort erfolgte die Alexander Angleichung der Flavier, die nun diesen als ihren Ahnherr adoptierten. Wie stark die Flavier mit dem Isiskult verbunden waren zeigt die Tatsache, daß er nach seiner Rückkehr in Rom im Isis Tempel opferte. Die Nacht vor dem Triumphzug nach dem jüdischen Krieg verbrachten Titus und Vespasian im Isis Tempel. Münzen mit den Flavier und der Göttin Isis wurden geprägt. Isis und Serapis-Tempel wurden großzügig gefördert und kostspielig ausgestattet. So verwundert es nicht, dass gerade in der dieser Zeit der Isis Tempel von Pompeji wieder aufgebaut wurde, nach seiner völligen Zerstörung im Jahre 62 durchs Erdbeben.

Die halb lebensgroße Isisstatue selbst befindet sich heute im Nationalmuseum von Neapel, wo ein ganzer Saal dem Tempel gewidmet ist.. Sie wird als Göttin mit den unendlichen Namen bezeichnet gilt als Mutter und Naturherrin der Elemente. Der Kult beruht auf die Hoffnung auf ein Leben im Glück und ein Weiterleben nach dem Tod.

Das Amphitheater

An der südöstlichen Ecke der Stadtmauer angelehnt ist das Amphitheater für etwa 20.000 Zuschauer gebaut. Es gilt als das älteste Steinamphitheater, das wir kennen. Die Arena ist sechs Meter tief in die Erde gebaut, der Aushub wurde als Erdwall benutzt, der die Tribüne trug. Dieser Erdwall ist ummantelt von einer Steinmauer mit den typischen Bögen, deren charakteristische Form auch gerne als Stadtwahrzeichen in den Abbildungen verwendet wurde. Bis gibt verschiedene Eingänge ins Amphitheater:. der obere Eingang zur oberen Tribüne (summa cavea) war über sechs große Treppenaufgänge zu erreichen, die mittleren und unteren Tribünen (media und ima cavea) über ein ausgeklügeltes System von Gängen. Die Erbauung des Amphitheaters war auf Kosten der Stadtmagistraten erfolgt, datiert wird es in die erste Hälfte des ersten Jahrhunderts v. Chr. Der Zuschauerraum ist in keilförmige Sektoren unterteilt, die Ausstattung mit Steinsitze wurde im Verlaufe von mehreren Jahren nach und nach vollendet. Es gibt eigene Logen, die der obere Klasse und den Spielgebern vorbehalten waren. Zwei monumentale Tore öffnen sich von der Arena aus: die porta triumphalis durch der die Gladiatorenparade (pompa) einzog, gegenüber die porta libitinensis, aus der verletzte und tote Tiere und Gladiatoren weggetragen wurden. Über das Amphitheater war mit Holzmasten und Seilen ein Segeldach angebracht um die Zuschauer vor der glühenden Sonne zu schützen.

Im Amphitheater wurden verschiedene Schauspiele gezeigt, die Wichtigsten davon sind der Gladiatorenkampf, die Aufführung eines epischen Stückes, z. B. die Ilias-ein Auszug aus dem trojanischen Krieg, ausgestattet mit Schauspieler, Komparsen und prächtigen Bühnenbildern und einigen Gladiatoren, sie spielten die Rollen von Hektor und Achill. Tierhetzen waren ebenfalls eine beliebte Aufführung. In den Mittagsstunden, Frauen und Kinder hatten sich zu entfernen, wurden auch Todesurteile vollstreckt, die zur Abschreckung der Kriminellen und Belustigung der Zuschauer mythisch eingebettet wurden. Im Jahre 59 nach Christus ist es zu einem berühmten Vorfall im Amphitheater von Pompeji gekommen, eine Schlägerei zwischen Fangruppen von Pompeji und Nuzera löste im ganzen Reich großen Skandal aus und führte dazu, dass Kaiser Nero das Amphitheater in Pompeji zur Strafe auf Jahren schließen ließ. Diese Rauferei mit etlichen Toten ist in einem berühmten Bild, das sich im Neapler Nationalmuseum befindet, fest gehalten.

Die Mysterienvilla

Verlässt man die Stadt durch das Stadttor porta ercolana, kommt man vorbei an den Prunkgräbern der römischen Oberschicht. Die Nekropolen waren zumeist an den Ausfallstraßen angebracht, die Familien inszenierten sich eben auch nach dem Tode. Ein renovierter Weg führt zu einer landwirtschaftlichen Villa, die Mysterienvilla, die geschätzt ist für die erlesenen Malereien, die zu den Schönsten gehören die wir aus der Antike kennen. Man sollte es nicht versäumen diese zu besichtigen. Die Malereien befinden sich in einem Raum im hinteren Hof, sie sind nicht leicht zu finden. Die Villa präsentiert sich dem Besuchenden etwas chaotisch, denn sie ist einige Mal umgebaut worden. Die Malereien stammen aus der ersten Phase der Villa, als diese noch Ansitz eines reichen Freigelassenen gewesen ist. Die Malereien sind im 2. pompejanischen Stil gehalten und zeigen menschengroße Szenen (es gibt bis heute nur drei Beispiele dieser großfigurigen Malerei). In der Mitte thront der trunkene Gott Dionysos mit seiner Frau Ariadne, rundherum sind eine Reihe von verschiedenen Szenen gemalt, die Interpretation der Bilder hat große Streitigkeiten unter den Wissenschaftlern ausgelöst. Es gibt mindestens zehn verschiedene Theorien über diesen Darstellungen. Es scheint die Einführung und die Aufnahme einer jungen Dame in den Dionysoskult darzulegen. Es ist eine Geschichte die in sukzessiven Bildern aufgebaut ist, wobei die junge Frau immer wieder vorkommt eingebettet in verschiedenen Szenen mit Satyrn und Mänaden, die zum Gefolge von Dionysos gehören. Jenseits der strittigen Interpretationen kann man sicherlich feststellen, dass diese Bilder zu den besten und qualitätsvollen aus der antiken Welt gehören. Außerdem bietet Villa eine sehr interessante Rekonstruktion aus ihrer zweiten Phase, in einem nicht leicht zu findenden hinteren Raum ist eine römische Weinpresse rekonstruiert, der Produktionsablauf der Weinherstellung in der Antike ist hier nachvollziehbar.

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